Lindos: 5 Gründe, warum dieser Ort auf jede Rhodos-Reiseliste gehört
- Endre Lommatzsch

- vor 8 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Wer Rhodos kennt, denkt zuerst an Faliraki, an Rhodos-Stadt, vielleicht an überfüllte Strände und All-inclusive-Hotels. Lindos hat damit wenig zu tun. Das Dorf liegt knapp 50 Kilometer südlich, autofrei, weiß getüncht, mit einer Akropolis hoch über den Dächern. Und wer einmal dort war, fragt sich danach ehrlich gesagt, warum er nicht früher hingefahren ist.
Inhaltsverzeichnis
Die Akropolis über den Dächern
Hoch über Lindos thront eine der besterhaltenen Akropolis-Anlagen ganz Griechenlands. Der Aufstieg führt über steile Treppen, vorbei an weißen Hausfassaden und kleinen Läden, die Euch Eselstaxis anbieten, falls die Beine streiken. Oben angekommen versteht Ihr sofort, warum die alten Griechen genau diesen Felsen gewählt haben. Tempel, Säulen, Mauern aus hellenistischer und mittelalterlicher Zeit, und rundherum ein Panorama, das sich kaum in Worte fassen lässt. Auf der einen Seite die Bucht von Lindos mit ihrem türkisblauen Wasser, auf der anderen die offene Ägäis, die sich bis zum Horizont zieht.

Was viele nicht wissen: Die Akropolis von Lindos ist nicht nur griechisch, sie trägt auch Spuren der Johanniter und der Osmanen in sich. Wer genauer hinschaut, sieht, wie sich Jahrhunderte überlagern, Stein auf Stein, Epoche auf Epoche. Das macht den Ort zu mehr als nur einem schönen Aussichtspunkt.
Ein Tipp, den ich jedem mitgeben würde: Geht früh. Wirklich früh. Wenn die ersten Reisebusse aus Rhodos-Stadt ankommen, ist die Stimmung eine andere. Vorher gehört der Felsen praktisch Euch allein, das Licht ist weicher, die Fotos besser und der Moment einfach ungestörter.
Das Dorf selbst ist das Erlebnis
Lindos ist autofrei. Keine Straßen, kein Hupen, keine Abgase. Wer das erste Mal um eine der engen Gassen biegt, merkt schnell, dass dieser Ort eine eigene Logik hat. Die Häuser stehen so dicht beieinander, dass die Gassen manchmal kaum breiter sind als eine ausgestreckte Armlänge. Weiß getünchte Wände, Bougainvillea in leuchtendem Pink und Lila, Kopfsteinpflaster, das in der Mittagssonne blendet.
Was Lindos von vielen anderen griechischen Postkartendörfern unterscheidet, ist die Dichte. Hier ist alles auf engem Raum. Kleine Tavernen verstecken sich hinter unscheinbaren Türen, Innenhöfe öffnen sich unerwartet, und wer kein Ziel hat, findet die besten Ecken. Einfach loslaufen, abbiegen, schauen. Irgendwo riecht es nach frisch gebackenem Brot, irgendwo klappert Geschirr, irgendwo sitzt jemand im Schatten und schaut Euch beim Vorbeigehen zu.
Abends verändert sich die Stimmung noch einmal. Die Tagestouristen sind weg, die Gassen leerer, das Licht wärmer. Wer die Möglichkeit hat, in Lindos zu übernachten, sollte sie nutzen. Der Unterschied zwischen Lindos tagsüber und Lindos nach Sonnenuntergang ist beträchtlich.
Zwei Strände, zwei Welten
Lindos hat nicht einen Strand, sondern zwei. Beide könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Hauptstrand liegt direkt unterhalb des Dorfes, gesäumt von Tavernen und Liegestühlen, belebt aber nie so überwältigend, dass man sich wie auf einem Campingplatz fühlt. Das Wasser ist flach, türkisblau und so klar, dass man den Grund sieht, auch wenn man schon ein paar Meter reingelaufen ist. Für Familien mit Kindern kaum zu übertreffen.
Wer etwas ruhiger möchte, geht auf die andere Seite. Die St. Paul's Bay ist eine kleine, fast kreisrunde Bucht, die sich hinter einem schmalen Felsdurchgang versteckt. Die Legende sagt, dass der Apostel Paulus hier ankerte, als ihn ein Sturm von seinem Kurs abbrachte. Ob man das glaubt oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Die Bucht hat etwas Besonderes. Weniger Betrieb, ruhigeres Wasser, ein anderes Tempo. Wer früh genug kommt, hat sie fast für sich allein.
Beide Strände sind von Lindos aus zu Fuß erreichbar, beide sind es wert. Wenn Ihr die Wahl habt, würde ich sagen: Hauptstrand zum Baden, St. Paul's Bay zum Ankommen.

Das Licht für Fotografen
Lindos ist fotografisch fast unfair gut aufgestellt. Weiße Fassaden, die das Licht zurückwerfen. Enge Gassen, die den Blick in die Tiefe ziehen. Die Akropolis hoch oben, die zu jeder Tageszeit anders aussieht.

Und überall dieses Blau, das man so nur im Mittelmeer bekommt, dieses tiefe, satte Blau, das auf Fotos fast unwirklich wirkt, aber genau so ist, wie man es sieht.
Wer mit einer Kamera unterwegs ist, wird hier kaum aufhören können. Jede Gasse bietet ein anderes Motiv, jeder Winkel eine andere Perspektive. Besonders zur goldenen Stunde lohnt es sich, mit der Kamera auf den Beinen zu sein. Wenn das Licht tiefer wird und die weißen Wände in warmes Orange und Rosa getaucht werden, verändert sich der ganze Ort noch einmal. Was tagsüber hell und kontraststark ist, wird abends weich und atmosphärisch.
Ein Tipp für alle, die mit der Drohne unterwegs sind: Informiert Euch vorher über die geltenden Regelungen, denn rund um die Akropolis gibt es Einschränkungen. Aber auch aus der Bodenperspektive gibt es hier mehr Motive, als man an einem Tag abarbeiten kann. Lindos belohnt alle, die langsam durch die Gassen schlendern und genauer hinschauen, als es die meisten Tagestouristen tun.
Beste Aussicht auf Rhodos
Die Bilder kursieren überall, die weißen Häuser, die Akropolis, die Bucht. Und trotzdem ist man nicht vorbereitet, wenn man das erste Mal wirklich dort steht und es mit eigenen Augen sieht.
Der Schlüssel ist der Zeitpunkt. Lindos ist kein Geheimtipp mehr, und das merkt man spätestens gegen Mittag, wenn die Reisebusse aus den Ferienhotels ankommen und die Gassen sich füllen. Wer früh aufsteht, erlebt einen komplett anderen Ort. Die Treppen gehören Euch, die Aussichtspunkte auch. Keine Warteschlange vor der Akropolis, kein Gedränge auf den Terrassen. Nur Ihr, das Morgenlicht und eine Stille, die man in einem so bekannten Ort kaum erwartet.

Genau in diesen Momenten entstehen die Bilder, die hinterher niemand glaubt, dass sie auf Rhodos gemacht wurden. Nicht weil Lindos unbekannt wäre, sondern weil es so aussieht, als hätte man den Ort ganz für sich gehabt. Und für ein paar Stunden am frühen Morgen ist das tatsächlich so.
Fazit: Auf nach Lindos!
Wer einmal dort war, versteht, warum so viele immer wieder zurückkommen. Nicht wegen der großen Sehenswürdigkeiten, nicht wegen der Strände allein, sondern wegen dieser Mischung aus allem. Geschichte, Licht, Stille, Meer. Und dem Gefühl, dass man noch nicht alles gesehen hat, selbst wenn man schon den ganzen Tag dort war.
Was mich an Lindos am meisten beeindruckt hat, ist wie der Ort es schafft, trotz allem Tourismus noch er selbst zu sein. Die Gassen sind eng geblieben, die Häuser weiß, das Tempo langsam. Man merkt, dass Lindos nicht versucht, jedem zu gefallen. Es existiert einfach, in seinem eigenen Rhythmus, und wer sich darauf einlässt, bekommt genau das zurück.
Ob Ihr für einen Tag kommt oder gleich mehrere Nächte bleibt, beides lohnt sich. Aber wer die Wahl hat, sollte übernachten. Denn das, was Lindos wirklich ausmacht, zeigt sich nicht zwischen zehn und drei, wenn der Betrieb am größten ist. Es zeigt sich morgens, wenn die Gassen noch leer sind. Und abends, wenn die letzten Tagestouristen abgefahren sind und der Ort wieder atmet.
Falls Ihr also das nächste Mal auf Rhodos seid und noch keinen Ausflug nach Lindos geplant habt: Plant ihn. Und stellt den Wecker früh.
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