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New Yorks Finest: Eine Fotostrecke über das NYPD in Manhattan

Autorenbild: Endre Lommatzsch
Endre Lommatzsch
19. Dez. 2023
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept.

Wer durch New York läuft, mit oder ohne Kamera, kommt an ihnen nicht vorbei: den Streifenpolizisten des NYPD. An jeder zweiten Ecke steht einer, lehnt am Wagen, unterhält sich mit dem Kaffeeverkäufer, beobachtet die Touristengruppe, die mitten auf der Kreuzung fürs Foto stehenbleibt. Am Times Square wirken sie fast wie Möbelstücke, so oft laufen Leute an ihnen vorbei, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Ein paar Blocks weiter, in einer ruhigen Ecke von Brooklyn, ist es genau umgekehrt: Da kennt der Officer die Hälfte der Straße beim Vornamen, und man merkt sofort, dass Präsenz hier etwas anderes bedeutet als am Times Square.



Genau diese Gegensätze haben mich bei meinem letzten New-York-Trip mit der Kamera gepackt. Ich wollte nicht die üblichen Postkartenmotive, sondern die Leute, die diese Stadt jeden Tag am Laufen halten, ohne dass es irgendjemandem groß auffällt. Je länger ich sie beobachtet und fotografiert habe, desto mehr wollte ich wissen, wer diese Leute eigentlich sind und was so ein Job in einer Stadt wie New York überhaupt bedeutet.


Auf dem Papier klingt er simpel: Streife laufen, für Sicherheit sorgen. In echt ist er alles andere. Ein Streifenpolizist in NYC ist am Vormittag Verkehrslotse an einer Kreuzung, die eigentlich für den Berufsverkehr viel zu klein gebaut wurde, am Nachmittag Ansprechpartner für einen Touristen, der die U-Bahn-Linie verwechselt hat, und am Abend mittendrin in etwas, das in Sekunden gefährlich werden kann. Dazwischen liegen Stunden, die einfach aus Gehen bestehen. Fußpatrouille durch enge Straßenzüge, immer mit einem Auge auf das, was gerade nicht zur Umgebung passt.


Was den Job besonders macht, ist selten die große Aktion, sondern das Kleinteilige dazwischen: ein Schwätzchen mit den Ladenbesitzern, ein Kind, das nach dem Weg zur nächsten Eisdiele fragt, das Gesicht, das man im Viertel eben kennt. Diese Kleinigkeiten sind es auch, die den Unterschied machen zwischen einer Polizei, die nur reagiert, und einer, die tatsächlich Teil der Nachbarschaft ist. Fußpatrouillen sind dafür fast wichtiger als jede Statistik: Wer regelmäßig an derselben Straßenecke steht, wird irgendwann erkannt, gegrüßt, auch mal um Rat gefragt, lange bevor er als Polizist gebraucht wird.


Was mir beim Fotografieren außerdem aufgefallen ist: Kaum eine Berufsgruppe in New York spiegelt die Stadt selbst so direkt wider wie das NYPD. Auf meinen Streifzügen sind mir Officers mit dominikanischen, chinesischen, irischen und westafrikanischen Wurzeln begegnet, oft im selben Revier, manchmal sogar im selben Streifenwagen. In einer Stadt, in der auf offener Straße gefühlt ein Dutzend Sprachen gleichzeitig gesprochen wird, ist das kein Zufall, sondern beinahe Voraussetzung für den Job. Wer als Streifenpolizist in Chinatown oder in Washington Heights unterwegs ist, kommt ohne ein Gespür für die jeweilige Nachbarschaft nicht weit, ganz gleich, wie gut die Ausbildung sonst ist.


Zur Einordnung, falls es euch wie mir geht und ihr nicht wusstet, wie alt das NYPD eigentlich ist: Vor der Gründung gab es in New York nur ein System aus Nachtwächtern, das mit dem rasanten Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert schlicht nicht mehr mithalten konnte. Nach einer Welle von Unruhen 1844 wuchs der Druck, endlich eine richtige, städtische Polizeibehörde aufzustellen. Am 13. Mai 1845 unterschrieb Bürgermeister William Havemeyer das Gesetz dazu, das die bis dahin verstreuten Stadt- und Landpolizeien zu einer einzigen Behörde zusammenfasste. George Washington Matsell wurde erster Polizeichef, mit gerade mal 800 Mann für eine Stadt, die schon damals aus allen Nähten platzte.


Aus diesen 800 sind mittlerweile mehr als 36.000 uniformierte Beamte geworden, verteilt auf Reviere in allen fünf Stadtteilen, dazu Sergeants, Lieutenants und diverse Spezialeinheiten. Damit ist das NYPD nicht nur die größte Polizeibehörde der USA, sondern eine der größten der Welt. Die blaue Uniform und die weiß-blauen Streifenwagen erkennt ihr vermutlich auch ohne eigene New-York-Erfahrung sofort, dafür sorgen Film und Fernsehen zuverlässig seit Jahrzehnten. Kein Wunder, dass die Beamten selbstbewusst "New York's Finest" auf ihre Abzeichen schreiben lassen, ein Spitzname, der seit Generationen hängen geblieben ist.



Neben dem normalen Streifendienst gibt es Spezialeinheiten, die man im Alltag selten zu Gesicht bekommt, aber genau deshalb interessant sind. Die Emergency Service Unit ist im Prinzip die SWAT-Antwort des NYPD, im Einsatz bei Geiselnahmen, technischen Rettungen oder anderen Extremsituationen. Dazu kommt eine eigene Antiterror-Einheit, die rund um die Uhr in Alarmbereitschaft bleibt, ergänzt durch ein mittlerweile ziemlich ausgebautes Netz aus Überwachungskameras und Datenanalyse, mit dem die Stadt versucht, Kriminalität eher zu erahnen als hinterherzulaufen.


Was viele nicht wissen: Streifendienst heißt beim NYPD nicht immer zu Fuß oder im Streifenwagen. Es gibt berittene Einheiten, die durch den Central Park patrouillieren und bei Touristen für die meisten Fotos sorgen, K9-Teams, die an U-Bahn-Eingängen nach Sprengstoff suchen, und eine eigene Transit-Truppe, die ausschließlich für die U-Bahn zuständig ist, immerhin eines der größten Nahverkehrsnetze der Welt. Jede dieser Einheiten hat ihre eigene Ausrüstung, ihren eigenen Rhythmus, und trotzdem laufen am Ende alle Fäden im selben Revier zusammen.


Am 11. September 2001 zeigte sich, wozu diese Behörde in ihrer extremsten Form fähig ist. Als die Flugzeuge in die Türme des World Trade Center einschlugen, waren NYPD-Beamte binnen Minuten vor Ort, mitten im Rauch und Staub, um Menschen aus den Gebäuden zu holen. Nach dem Einsturz gruben sie tagelang in den Trümmern nach Überlebenden, gemeinsam mit der Feuerwehr und Rettungskräften. Viele Beamte verloren an diesem Tag oder in den Jahren danach durch die Spätfolgen der Rettungsarbeiten ihr Leben, ein Kapitel, das im Selbstverständnis des NYPD bis heute nachwirkt und in fast jedem Revier irgendwo an der Wand hängt.


Reibungslos läuft dabei längst nicht alles, und das würde ich auch niemandem erzählen wollen, der selbst schon mal in New York unterwegs war. Die Debatte um das Verhältnis zwischen Polizei und Stadtvierteln, um Reformen, Racial Profiling und Vertrauen ist hier so präsent wie in vielen anderen amerikanischen Großstädten, manchmal lauter, manchmal leiser, aber nie ganz weg. Gerade deshalb fand ich es spannend, nicht die großen Schlagzeilen einzufangen, sondern die Alltagsmomente dazwischen: einer lehnt am Streifenwagen und beobachtet die Straße, eine andere hilft mit dem Stadtplan, ein dritter steht mitten im Verkehrschaos und wirkt völlig unbeeindruckt davon, während um ihn herum Hupen aus jeder Richtung kommen.



Für die Portraits in dieser Strecke habe ich einfach Leute angesprochen, meistens mit der ehrlichsten Frage, die ich hatte: ob ich sie kurz fotografieren darf, weil mich ihr Job interessiert. Die Reaktionen waren erstaunlich unterschiedlich, von einem müden Nicken bis zu einem Officer, der sich extra noch mal die Uniform zurechtgezupft hat, bevor ich auf den Auslöser gedrückt habe. Genau dieser Mix aus Nähe und Distanz ist es, den ich mit der Kamera einfangen wollte: Menschen, die einen Uniformberuf machen, aber eben trotzdem Menschen bleiben, mit Launen, Eigenheiten und einem Blick, der mal wach, mal müde, mal einfach nur genervt von der Hitze auf dem Asphalt ist.


Technisch bin ich für diese Serie bewusst von meinem sonstigen Stil weg, weniger Langzeitbelichtung und verzerrte Weitwinkel, mehr ruhige Portraits mit vorhandenem Licht. New York liefert davon genug, zwischen den Hochhäusern fällt das Licht meistens ohnehin schon gerichtet und hart genug, um Gesichter arbeiten zu lassen, ohne dass ich groß nachhelfen musste. Die Nähe zum Motiv war dabei wichtiger als jedes Objektiv: Wer auf zehn Metern fotografiert, bekommt höfliche Distanz. Wer nah genug herangeht und kurz erklärt, warum, bekommt Blicke, die etwas erzählen.


Was von diesem Nachmittag bleibt, ist weniger die große Geschichte des NYPD als die kleinen Szenen dazwischen, die ihr euch jetzt in den Bildern unten selbst anschauen könnt. New York bewundert man meistens wegen seiner Skyline. Ich finde, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit haben die Leute verdient, die tagtäglich unten auf dem Asphalt dafür sorgen, dass unter dieser Skyline alles einigermaßen rund läuft.



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Endre Lommatzsch

Hey, ich bin Endre - der Inhaber von fokus fernweh. Ich hoffe, dass ich Euch inspirieren kann, neue Orte zu entdecken und die Welt zu bereisen! Ob Ihr erfahrene Globetrotter seid oder gerade erst mit dem Reisen begonnen habt - ich hoffe, Ihr findet hier die Motivation und die Informationen, die Ihr für Eure Unternehmungen braucht! 




2 Kommentare

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Gast
19. Dez. 2023
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

interessante Einblicke! Klasse untermalt mit den Fotos

Gefällt mir
Endre Lommatzsch
Endre Lommatzsch
20. Dez. 2023
Antwort an

Vielen Dank!

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DER MENSCH HINTER FOKUS FERNWEH

CA19801D-1A30-41D6-89C6-7ABE0D62C4D0.jpg

"Reisen zeigt Dir die Welt.

Fotografieren lehrt Dich, sie zu sehen."

Ingenieur aus Überzeugung, Fotograf aus Leidenschaft und Reiseblogger aus purem Fernweh. An einem Ort bleibe ich selten lange - dafür gibt es einfach zu viele spannende Geschichten auf dieser Welt. 

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