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Victoria Bay & Avenue of the Stars: Warum diese zwei Orte Hong Kong unvergesslich machen

  • Autorenbild: Endre Lommatzsch
    Endre Lommatzsch
  • vor 6 Stunden
  • 9 Min. Lesezeit

Wer Hong Kong sagt, denkt an Hochhäuser, Neonlichter und eine Stadt, die niemals schläft. Aber es gibt zwei Orte, die man gesehen haben sollte, wenn man verstehen will, warum diese Stadt so viele Menschen in ihren Bann zieht. Die Victoria Bay und die Avenue of the Stars liegen direkt nebeneinander, und trotzdem bieten sie zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse. Eines davon ist laut und spektakulär. Das andere ist überraschend still.


Rotes Segelboot auf grauem Wasser vor Hongkongs Skyline mit Hochhäusern, Bergen im Dunst und sichtbaren Werbeschildern.

Inhaltsverzeichnis


Die Victoria Bay: Hongkongs größte Bühne

Die Victoria Bay wirkt größer als jedes Foto, das man vorher von ihr gesehen hat. Auf der einen Seite Kowloon, auf der anderen Hong Kong Island, und dazwischen das Wasser, das die Skyline spiegelt wie ein riesiger Spiegel. Wer zum ersten Mal an der Promenade steht und den Blick über die Bucht schweifen lässt, braucht einen Moment, um das alles einzuordnen. Es ist nicht nur die Größe, die beeindruckt. Es ist die Kombination aus Wasser, Hochhäusern, Bewegung und Licht, die zusammen etwas ergibt, das man so nirgendwo sonst auf der Welt in dieser Form findet.


Die Bucht ist nicht nur Kulisse, sie ist Lebensader. Fähren queren das Wasser im Minutentakt, Frachtschiffe schieben sich langsam durch den Hafen, Ausflugsboote drehen ihre Runden. Hong Kong hat dieses Wasser immer genutzt, als Handelsweg, als Verbindung, als Herzstück der Stadt. Schon im 19. Jahrhundert war der Hafen einer der wichtigsten Umschlagplätze Asiens, und auch wenn sich die Funktion verändert hat, ist die Energie geblieben. Man spürt, dass diese Stadt vom Wasser lebt, auch wenn die Hochhäuser längst dominieren.



Die Uferpromenade auf der Kowloon-Seite, der sogenannte Tsim Sha Tsui Waterfront, ist der beste Ort, um die Bucht zu erleben. Breit, gut zugänglich, mit freiem Blick auf die Skyline von Hong Kong Island. Tagsüber ist es belebt, Touristen, Einheimische, Jogger, Familien mit Kindern, alle teilen sich denselben Streifen am Wasser. Abends zieht es noch mehr Menschen hierher, weil die Skyline mit einsetzender Dunkelheit eine andere Dimension bekommt. Die Lichter der Hochhäuser spiegeln sich im Wasser, die Fähren werden zu kleinen Lichtpunkten, und die ganze Bucht verwandelt sich in etwas, das man schwer in Worte fassen kann.



Was viele nicht wissen: Die Bucht hat sich über die Jahrzehnte verändert. Durch Landgewinnung ist sie heute schmaler als noch vor einigen Jahrzehnten. Hong Kong hat buchstäblich Land aus dem Wasser geholt, um der wachsenden Stadt mehr Platz zu geben. Was geblieben ist, reicht trotzdem aus, um zu verstehen, warum diese Bucht zu den bekanntesten Stadtpanoramen der Welt gehört.


Wer Zeit hat, sollte die Bucht zu verschiedenen Tageszeiten erleben. Morgens, wenn das Licht weich ist und der Betrieb noch nicht auf Hochtouren läuft, hat die Promenade eine überraschend ruhige Qualität. Mittags, wenn die Sonne hoch steht, blitzen die Glasfassaden der Hochhäuser auf der anderen Seite des Wassers. Und abends, kurz bevor die Lichtershow beginnt, wenn die Stadt langsam in die Nacht übergeht, ist die Atmosphäre an der Promenade kaum zu übertreffen.


Was die Victoria Bay fotografisch so besonders macht

Die Victoria Bay ist für Fotografen eines der dankbarsten Motive Asiens. Nicht weil sie einfach wäre, sondern weil sie zu jeder Tageszeit ein anderes Bild liefert und weil die Skyline von Hong Kong Island auf der gegenüberliegenden Seite des Wassers so dicht und so hoch ist, dass man kaum einen schlechten Bildausschnitt finden kann.


Das beste Licht gibt es zweimal am Tag. Morgens, kurz nach Sonnenaufgang, wenn die Sonne noch tief steht und die Glasfassaden der Hochhäuser in warmem Orange leuchten, ist die Bucht fast menschenleer. Die Fähren fahren noch, das Wasser bewegt sich, aber der Trubel des Tages hat noch nicht begonnen. Wer zu dieser Zeit an der Promenade steht, hat die besten Voraussetzungen für Langzeitbelichtungen, bei denen das Wasser seidig glatt wird und die Lichter der Stadt sich darin spiegeln. Abends ist das Licht anders, wärmer, dramatischer, und die Menschenmenge größer. Aber auch dann lohnt sich der Aufwand.


Für Langzeitbelichtungen empfiehlt sich ein Stativ, das sollte selbstverständlich sein, aber auch ein Fernauslöser oder der Selbstauslöser der Kamera, um Verwacklungen zu vermeiden. Die Promenade selbst vibriert leicht durch den Fährbetrieb und die vielen Passanten, was bei langen Belichtungszeiten durchaus bemerkbar sein kann. Wer einen besonders stabilen Stand sucht, findet weiter östlich ruhigere Abschnitte der Promenade, abseits des touristischen Hauptbereichs.


Ein Blickwinkel, den viele übersehen: die Fähre selbst. Die Star Ferry verbindet Kowloon mit Hong Kong Island seit über einem Jahrhundert und ist eine der günstigsten und schönsten Möglichkeiten, die Bucht aus einer anderen Perspektive zu erleben. Von Bord aus bekommt man Bilder, die von der Promenade nicht möglich sind. Die Skyline von Hong Kong Island, frontal und nah, während man langsam auf sie zufährt, ist ein Motiv, das sich kaum wiederholen lässt.


Wer mit einer Drohne unterwegs ist, sollte sich vorher gründlich über die geltenden Regelungen informieren. Hong Kong hat strenge Vorschriften für den Drohnenflug, besonders in der Nähe des Hafens und über belebten Gebieten. Was aus der Luft möglich wäre, ist also nicht immer erlaubt. Aus der Bodenperspektive gibt es jedoch mehr als genug zu entdecken, und wer geduldig ist und wartet, bis das Licht stimmt, wird mit Aufnahmen belohnt, die den Aufwand mehr als rechtfertigen.


Die Avenue of the Stars

Direkt an der Uferpromenade, eingebettet zwischen der Geschäftigkeit der Victoria Bay und den Hochhäusern von Kowloon, liegt die Avenue of the Stars. Wer sie zum ersten Mal besucht, ist vielleicht überrascht, wie ruhig es hier sein kann. Keine lauten Märkte, kein Gedränge, kein Lärm. Nur ein langer, gepflegter Gehweg direkt am Wasser, gesäumt von Sternen, die in den Boden eingelassen sind, und einer der besten Aussichten auf die Skyline von Hong Kong Island.



Die Avenue of the Stars ist Hongkongs Antwort auf den Hollywood Walk of Fame. Gewidmet dem Hongkonger Film und seinen Stars, findet man hier die Namen und Handabdrücke von Größen wie Jackie Chan, Jet Li und vielen anderen, die das asiatische Kino geprägt haben. Für Filmfans ist ein Besuch fast schon Pflicht. Aber auch wer mit dem Hongkonger Kino wenig anfangen kann, wird schnell merken, dass die Avenue mehr ist als nur eine Sammlung von Bodenplatten.


Es ist die Lage, die den Unterschied macht. Die Promenade liegt direkt am Wasser, mit freiem Blick auf die Bucht und die Skyline. Keine Straße, die überquert werden muss, kein Gebäude, das die Sicht versperrt. Man spaziert entlang, schaut auf das Wasser, und hat dabei das Gefühl, dass die Stadt für einen Moment auf Abstand bleibt. In einer Stadt, die so dicht und so laut ist wie Hong Kong, ist das keine Kleinigkeit.



Die Avenue wurde 2019 nach einer umfangreichen Renovierung wiedereröffnet und präsentiert sich seitdem in einem neuen Gewand. Die Gestaltung ist offen und modern, mit Sitzbänken, Aussichtsplattformen und genug Platz, um auch bei größerem Andrang nicht das Gefühl zu haben, eingequetscht zu sein. Abends, wenn die Lichter der Skyline angehen und die Bucht sich langsam verändert, ist die Avenue einer der schönsten Plätze, die Hong Kong zu bieten hat.


Fotografieren auf der Avenue of the Stars

Die Avenue of the Stars ist für Fotografen ein anderes Erlebnis als die breite Promenade der Victoria Bay. Hier geht es weniger um die große Geste und mehr um Details, Perspektiven und den richtigen Moment. Die Skyline ist dieselbe, aber der Blickwinkel ist ein anderer, und das macht einen größeren Unterschied als man zunächst denkt.


Die eingelassenen Sterne im Boden sind ein Motiv, das sich lohnt, aber Geduld erfordert. Tagsüber laufen ständig Menschen darüber, und ein freier Schuss ist schwer zu bekommen. Wer früh morgens kommt, hat bessere Chancen. Das Licht fällt dann flach auf den Boden, die Gravuren der Namen und Handabdrücke zeichnen sich klarer ab, und die Avenue ist ruhig genug, um in Ruhe zu komponieren. Die bekannteste Figur auf der Avenue ist die Statue von Bruce Lee, die mit ausgestrecktem Arm über die Bucht blickt. Sie ist eines der meistfotografierten Motive Hongkongs, und trotzdem lohnt es sich, etwas Zeit damit zu verbringen. Je nach Tageszeit, Licht und Blickwinkel sieht das Bild jedes Mal anders aus. Mit der Skyline im Hintergrund, bei Gegenlicht oder kurz vor der Lichtershow, wenn die ersten Lichter der Hochhäuser angehen, hat die Statue eine ganz eigene Wirkung.


Was die Avenue fotografisch besonders interessant macht, ist die Möglichkeit, Vordergrund und Hintergrund zu kombinieren. Die Geländer am Wasser, die Bodenplatten, die Statue, die Bänke und Plattformen, all das lässt sich nutzen, um der Skyline im Hintergrund etwas entgegenzusetzen. Wer nur die Hochhäuser fotografiert, bekommt ein Bild, das man auch von der Promenade machen kann. Wer den Vordergrund einbezieht, bekommt ein Bild, das nach Avenue of the Stars aussieht.


Abends, kurz vor der Lichtershow, ist die Avenue gut besucht. Wer einen guten Platz mit freiem Blick auf die Bucht haben möchte, sollte früh genug kommen. Ein Stativ ist zu dieser Uhrzeit fast unverzichtbar, da das Licht schnell abnimmt und die Belichtungszeiten entsprechend länger werden. Wer keins dabei hat, findet entlang der Brüstung oft genug Möglichkeiten, die Kamera abzustützen. Aber ein Stativ macht den Unterschied, besonders wenn die Lichtershow beginnt und man die Bewegung der Lichter über die Hochhäuser einfangen möchte.


"A Symphony of Lights": Die tägliche Lichtershow

Jeden Abend um 20 Uhr verwandelt sich die Skyline von Hong Kong Island in eine Bühne. A Symphony of Lights ist die wohl bekannteste Lichtershow der Welt, zumindest laut Guinness-Buch der Rekorde, und wer sie einmal live erlebt hat, versteht warum. Über 40 Gebäude auf beiden Seiten der Bucht sind in die Show eingebunden, Scheinwerfer, Laser, LED-Fassaden und Suchlichter, die sich im Takt der Musik über den Himmel bewegen. Das Ganze dauert etwa 13 Minuten und hinterlässt selbst bei Menschen, die dachten, sie wären nicht so leicht zu beeindrucken, einen bleibenden Eindruck.


Der beste Platz, um die Show zu erleben, ist die Tsim Sha Tsui Promenade auf der Kowloon-Seite, also genau dort, wo auch die Avenue of the Stars liegt. Von hier aus hat man die Skyline frontal vor sich, das Wasser dazwischen und genug Abstand, um das gesamte Panorama im Blick zu behalten. Wer zu spät kommt, kämpft um einen Platz an der Brüstung. Es lohnt sich, mindestens 30 Minuten vorher da zu sein, einen guten Standpunkt zu suchen und in Ruhe das Stativ aufzubauen.


Fotografisch ist die Lichtershow eine der anspruchsvollsten Situationen, die Hong Kong bietet. Das Licht wechselt schnell, die Laser bewegen sich, und die Belichtung, die eine Sekunde noch stimmt, passt die nächste Sekunde nicht mehr. Wer mit festen Einstellungen arbeitet, wird oft genug daneben liegen. Besser ist es, mit verschiedenen Belichtungszeiten zu experimentieren und mehrere Aufnahmen zu machen. Kurze Belichtungen frieren die Laser ein, längere lassen sie als Linien über den Himmel ziehen. Beide Varianten funktionieren, aber sie erzählen unterschiedliche Geschichten.


Ein Tipp, den viele erst im Nachhinein bekommen: Die Show läuft täglich, aber bei schlechter Sicht oder Regen wirkt sie deutlich weniger spektakulär. Wer flexibel ist und mehrere Abende in Hong Kong hat, sollte sich den klarsten abwarten. Der Unterschied zwischen einer klaren Nacht und einer diesigen ist enorm, sowohl für das Erlebnis selbst als auch für die Fotos.


Fazit: Warum man beide Orte zusammen erleben sollte

Blick aus einer dunklen Fähre auf die Skyline mit hohem Turm und vorbeifahrender Fähre im hellen Hafen.

Die Victoria Bay und die Avenue of the Stars lassen sich kaum voneinander trennen, und das ist kein Zufall. Sie liegen nicht nur geografisch nebeneinander, sie ergänzen sich auch inhaltlich auf eine Art, die einen Besuch zu mehr macht als die Summe seiner Teile. Die Bucht gibt den großen Rahmen, die Avenue den menschlichen Maßstab. Die eine ist Spektakel, die andere ist Spaziergang. Zusammen ergeben sie ein Bild von Hong Kong, das man so schnell nicht vergisst.


Wer beide Orte an einem Abend verbindet, bekommt eine der dichtesten städtischen Erfahrungen, die Asien zu bieten hat. Nachmittags an der Promenade ankommen, wenn das Licht noch hoch steht und die Bucht in vollem Betrieb ist. Dann langsam die Avenue of the Stars entlanggehen, die Statue von Bruce Lee, die Bodenplatten, den Blick auf das Wasser. Irgendwo einen Platz finden, warten, bis die Sonne tiefer wird und das Licht wärmer. Und dann, wenn es dunkel wird und die Hochhäuser auf der anderen Seite anfangen zu leuchten, einfach stehen bleiben und die Lichtershow über sich ergehen lassen.


Hong Kong ist eine Stadt, die viel verlangt. Sie ist laut, sie ist schnell, sie ist manchmal überwältigend. Aber an der Victoria Bay, auf der Avenue of the Stars, kurz vor oder während der Lichtershow, hat man das Gefühl, dass die Stadt einen Moment lang durchatmet. Und man selbst auch. Das ist selten in einer Metropole dieser Größe, und es ist ein Grund mehr, diese beiden Orte nicht einfach abzuhaken, sondern sich Zeit dafür zu nehmen. Mehr Zeit, als man eigentlich geplant hat. Das lohnt sich hier fast immer.



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DER MENSCH HINTER FOKUS FERNWEH

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"Reisen zeigt Dir die Welt.

Fotografieren lehrt Dich, sie zu sehen."

Ingenieur aus Überzeugung, Fotograf aus Leidenschaft und Reiseblogger aus purem Fernweh. An einem Ort bleibe ich selten lange - dafür gibt es einfach zu viele spannende Geschichten auf dieser Welt. 

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