Chicago Dos and Don'ts: Warum Ketchup auf dem Hot Dog tabu ist

Chicago hat es nicht leicht. Wer an eine Reise in die USA denkt, landet meistens zuerst bei New York, danach vielleicht bei Kalifornien, Las Vegas oder den großen Nationalparks. Chicago taucht auf dieser Liste oft erst ziemlich weit hinten auf. Zu Unrecht, finde ich. Die Stadt am Lake Michigan gehört für mich zu den spannendsten Städten in ganz Nordamerika. Hier stehen einige der beeindruckendsten Wolkenkratzer der Welt, und das hat einen Grund: Nach dem großen Brand von 1871 musste Chicago fast komplett neu aufgebaut werden. Die Architekten nutzten die Gelegenheit und bauten zum ersten Mal konsequent in die Höhe. Chicago gilt deshalb bis heute als Geburtsort des Hochhauses, und genau das spürt man bei jedem Blick nach oben.

Chicago hat allerdings auch seine eigenen Regeln. Ein Hot Dog bekommt hier alles Mögliche obendrauf, nur eben keinen Ketchup. Die berühmte Deep Dish Pizza lieben vor allem die Touristen, während die Einheimischen im Alltag lieber zur dünnen Variante greifen. Wer beim Baseball die falsche Mütze trägt, erntet mindestens einen skeptischen Blick. Und der Wind vom See kann selbst an einem sonnigen Tag so eisig sein, dass man die leichte Jacke im Hotel schnell bereut.
Damit Ihr nicht in diese und andere Fettnäpfchen tretet, habe ich Euch meine wichtigsten Dos and Don'ts für Chicago zusammengestellt. Es geht um Architektur und Aussichtspunkte, um Streetfood und Blues-Clubs, um Viertel abseits des Loop und um die kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Städtetrip und einer richtig guten Reise ausmachen.
Dos in Chicago: Das solltet Ihr unbedingt machen
Die Skyline vom Wasser aus entdecken: die Architektur-Bootstour
Deep Dish probieren, aber die Tavern-Style Pizza nicht vergessen
Chicago-Style Hot Dog und Italian Beef: Streetfood wie die Locals
Die Viertel abseits des Loop entdecken: Wicker Park, Pilsen und Hyde Park
Kostenlose Highlights: Chicago Cultural Center und Lincoln Park Zoo
Don'ts in Chicago: Das solltet Ihr besser lassen
Do: Die Skyline vom Wasser aus entdecken: die Architektur-Bootstour
Wenn ich Euch in Chicago nur eine einzige Sache ans Herz legen dürfte, dann wäre es diese: Steigt aufs Boot und lasst Euch die Stadt vom Chicago River aus zeigen. Nirgendwo sonst versteht man so schnell, warum Chicago als Geburtsort des Hochhauses gilt. Vom Wasser aus hat man plötzlich Abstand zu den Gebäuden, die einem auf der Straße fast den Nacken verrenken. Man sieht, wie die Türme aus unterschiedlichen Jahrzehnten nebeneinander stehen, wie sich neoklassizistische Fassaden aus den 1920er Jahren neben gläsernen Riesen behaupten und wie der Fluss sich mitten durch dieses Häusermeer schlängelt.

Der Klassiker ist die River Cruise des Chicago Architecture Center, die an Bord der Boote von First Lady stattfindet. Die Tour dauert etwa 90 Minuten und führt entlang aller drei Arme des Flusses, vorbei an mehr als 50 Gebäuden. Dazu gehören Namen, die man danach nicht mehr vergisst: das strahlend weiße Wrigley Building, der neugotische Tribune Tower, der gewaltige Merchandise Mart, der Willis Tower und natürlich Marina City, die beiden runden Wohntürme, die aussehen wie zwei riesige Maiskolben. Mein persönlicher Liebling ist 333 West Wacker, dessen grüne Glasfassade genau der Biegung des Flusses folgt und je nach Licht die ganze Umgebung spiegelt.
Was diese Tour von vielen anderen unterscheidet, sind die Guides. Kommentiert wird nicht vom Band, sondern von ehrenamtlichen Docents des Architecture Center, die Hunderte Stunden Ausbildung hinter sich haben. Das merkt man. Statt nur Baujahre und Höhen herunterzubeten, erzählen sie die Geschichten hinter den Gebäuden: vom großen Brand, von Architekten, die sich gegenseitig übertrumpfen wollten, und von Bauherren mit ziemlich großem Ego. Selbst wenn Ihr Euch sonst wenig für Architektur interessiert, fällt es schwer, sich davon nicht anstecken zu lassen.
Es gibt auf dem Fluss übrigens auch andere Anbieter mit Architekturtouren, die teilweise etwas günstiger sind. Wer aber wirklich verstehen will, was er da sieht, ist mit der Tour des Architecture Center am besten beraten. Für mich ist sie der perfekte Einstieg in Chicago: Danach lauft Ihr mit ganz anderen Augen durch die Stadt.
Do: Am Chicago Riverwalk zur blauen Stunde spazieren
Nach der Bootstour habt Ihr den Fluss vom Wasser aus gesehen. Jetzt lohnt es sich, ihn auch zu Fuß zu erleben. Der Chicago Riverwalk zieht sich auf rund zwei Kilometern am Südufer des Chicago River entlang, vom Lake Michigan bis zur Lake Street. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war das Ufer hier vor allem Kulisse für Lieferverkehr und Betonmauern. Heute ist der Riverwalk einer der Orte, an denen die Stadt für mich am lebendigsten wirkt. Unten am Wasser ist es spürbar ruhiger als oben auf der Wacker Drive, obwohl Ihr mitten im Zentrum seid. Über Euch rauschen der Verkehr und die Hochbahn, neben Euch gleiten Ausflugsboote und Kajaks vorbei, und links und rechts ragen die Türme in die Höhe, die Ihr gerade auf der Tour kennengelernt habt.

Der Riverwalk ist in einzelne Abschnitte gegliedert, und jeder hat seinen eigenen Charakter. Mal sitzt Ihr auf breiten Stufen direkt am Wasser, mal lauft Ihr über schwimmende Holzstege, mal steht Ihr in einem kleinen Park zwischen Gräsern und Bäumen. Dazwischen liegen Bars und Imbisse, die das Ufer vor allem an warmen Abenden in einen einzigen langen Biergarten verwandeln. Im Wine Garden von City Winery bekommt Ihr ein Glas Wein mit Blick auf die Brücken, bei Tiny Tapp gibt es Bier und Cocktails, und in The Northman Beer & Cider Garden könnt Ihr Cider aus Chicago probieren. Wer lieber selbst aktiv wird, leiht sich bei Urban Kayaks ein Kajak und paddelt zwischen den Wolkenkratzern hindurch. Es gibt sogar geführte Touren zum Sonnenuntergang.
Mein Tipp für den perfekten Zeitpunkt: Kommt am frühen Abend und bleibt bis zur blauen Stunde. Wenn die Sonne hinter den Hochhäusern verschwindet, gehen nach und nach die Lichter in den Bürotürmen an, die Brücken werden beleuchtet und spiegeln sich im dunklen Wasser. In dieser halben Stunde zwischen Tag und Nacht hat Chicago eine ganz besondere Stimmung, irgendwo zwischen Großstadt und Sommerabend am Fluss.
Und wenn Ihr im Frühjahr oder Herbst unterwegs seid, habt Ihr noch einen Grund mehr, bis zur Dunkelheit zu bleiben: Art on theMART. Dabei wird die riesige Fassade des Merchandise Mart abends zur Leinwand für Kunstprojektionen. Mit über einem Hektar Fläche ist das die größte digitale Kunstprojektion der Welt. Den besten Blick darauf habt Ihr vom Riverwalk aus, am westlichen Ende zwischen Wells Street und Franklin Street.
Do: Mit der "L" über den Loop fahren
In Chicago gibt es eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die ich jedem ans Herz lege, auch wenn Ihr eigentlich gar nirgendwo hinmüsst. Die Rede ist von der "L", der Hochbahn, die seit dem späten 19. Jahrhundert auf stählernen Stelzen durch die Stadt rattert. Der Name ist schlicht die Abkürzung für "elevated", also erhöht. Im Zentrum bilden die Gleise eine Schleife um die Innenstadt, und diese Schleife soll auch dem Viertel seinen Namen gegeben haben: The Loop.

Was die Fahrt so besonders macht, ist die Perspektive. Die Züge fahren in Höhe der ersten und zweiten Etagen mitten zwischen den Häuserschluchten hindurch. Ihr schaut direkt in Büros und Fenster, seht unter Euch den Verkehr und über Euch die Fassaden in den Himmel wachsen. In den engen Kurven quietschen die Räder, der Wagen legt sich leicht zur Seite, und zwischen den Häusern blitzen immer wieder Straßenschluchten auf, die sich bis zum Horizont ziehen. Das ist kein Freizeitpark, das ist ganz normaler Alltag für Hunderttausende Pendler. Und genau das macht es so authentisch. Wer Filme wie "Die Blues Brothers" oder "Chicago Fire" gesehen hat, erkennt die Szenerie sofort wieder.
Mein Tipp: Steigt in die Brown Line oder die Pink Line und fahrt einmal die komplette Schleife um den Loop. Wenn Ihr Glück habt, bekommt Ihr einen Platz ganz vorne im ersten Wagen. Dort könnt Ihr durch die Frontscheibe nach vorne schauen und seht die Gleise zwischen den Hochhäusern verschwinden. Die Brown Line fährt danach weiter Richtung Norden durch Wohnviertel mit den typischen Backsteinhäusern und kleinen Hinterhöfen, eine schöne Möglichkeit, gleich noch ein anderes Chicago zu sehen.
Die "L" ist aber nicht nur ein Erlebnis, sondern auch das praktischste Verkehrsmittel der Stadt. Acht farbig benannte Linien verbinden die Innenstadt mit fast allen Vierteln, die für Euch interessant sind. Und selbst vom Flughafen kommt Ihr bequem in die Stadt: Die Blue Line fährt rund um die Uhr direkt vom Flughafen O'Hare bis in den Loop. Das ist oft schneller als jedes Taxi, gerade im Berufsverkehr.
Do: Den Lakefront Trail mit dem Rad erkunden
Viele Besucher vergessen es, wenn sie zwischen den Hochhäusern im Loop unterwegs sind: Chicago liegt direkt am Wasser. Und zwar nicht an irgendeinem Gewässer, sondern am Lake Michigan, einem See so groß, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sieht. An manchen Tagen, wenn das Wasser türkis schimmert und die Wellen an den Strand rollen, fühlt man sich eher an einer Küste als an einem Binnensee. Das Beste daran: Chicago hat sein Ufer nicht verbaut, sondern fast vollständig der Öffentlichkeit überlassen. Statt Hafenanlagen und Villen reihen sich hier Parks, Strände und Grünflächen aneinander, und mittendrin verläuft der Lakefront Trail.
Der Weg zieht sich auf rund 29 Kilometern am Seeufer entlang, von der Ardmore Street im Norden bis zur 71st Street im Süden. Auf weiten Teilen der Strecke sind Rad- und Fußweg voneinander getrennt, sodass Ihr entspannt rollen könnt, ohne ständig Joggern und Spaziergängern ausweichen zu müssen. Zu Fuß schafft man nur einen kleinen Teil davon, mit dem Fahrrad dagegen könnt Ihr an einem Nachmittag ein richtig großes Stück der Stadt sehen. Unterwegs kommt Ihr an Stränden, Yachthäfen, Parks und einigen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei: am Navy Pier, am Lincoln Park Zoo, am Soldier Field, dem Stadion der Chicago Bears, und ganz im Süden am Museum of Science and Industry.
Der eigentliche Star ist aber die Aussicht. Auf der einen Seite liegt der See, auf der anderen die Skyline, die sich mit jedem Kilometer anders zeigt. Mal seht Ihr die Hochhäuser dicht gedrängt vor Euch, mal liegen sie weit entfernt und wirken fast wie eine Kulisse, die jemand an den Horizont gemalt hat.
Mein Vorschlag für eine Runde, die auch für Gelegenheitsradler gut machbar ist: Startet in der Nähe des Navy Pier und fahrt zuerst nach Norden bis zum North Avenue Beach. Von dort habt Ihr einen der klassischen Blicke zurück auf die Skyline, mit Strand und Volleyballfeldern im Vordergrund. Dann dreht Ihr um und fahrt am Loop vorbei Richtung Süden zum Museum Campus. Hier lohnt sich ein kurzer Abstecher auf die Halbinsel am Adler Planetarium, wo sich die gesamte Skyline über das Wasser hinweg vor Euch aufbaut. Wer dann noch Energie hat, fährt weiter bis nach Hyde Park zum Promontory Point, einer kleinen Landzunge, auf der die Einheimischen auf den Felsen sitzen, picknicken und in den Sonnenuntergang über der Stadt schauen.
Do: Deep Dish probieren, aber die Tavern-Style Pizza nicht vergessen
Über kein Essen wird in Chicago so leidenschaftlich gestritten wie über Pizza. Und wer zum ersten Mal in die Stadt kommt, hat meistens nur ein Bild im Kopf: die Deep Dish Pizza. Die gehört natürlich dazu, und Ihr solltet sie auf jeden Fall probieren. Aber wer nur die dicke Variante kennt, verpasst die Pizza, die die Einheimischen tatsächlich im Alltag essen.
Fangen wir mit dem Klassiker an. Die Deep Dish Pizza wurde in den 1940er Jahren in Chicago erfunden, als Pizzeria Uno sie erstmals auf die Karte setzte. Mit einer italienischen Pizza hat sie wenig gemein, eher mit einem herzhaften Kuchen. Der Teig wird in einer hohen, runden Form gebacken und bildet einen Rand von mehreren Zentimetern. Und dann kommt die Reihenfolge, die viele beim ersten Mal verwirrt: Ganz unten liegt der Käse, darüber die Füllung, zum Beispiel eine dicke Schicht Wurst, und ganz oben die stückige Tomatensauce. Das hat einen praktischen Grund, denn bei der langen Backzeit würde der Käse oben verbrennen. Das Ergebnis ist eine Pizza, die man eher mit Messer und Gabel isst und von der schon zwei Stücke satt machen.
Ein wichtiger Hinweis: Plant bei Deep Dish Zeit ein. Die Pizza braucht oft 40 Minuten oder länger im Ofen. In vielen Restaurants könnt Ihr deshalb schon beim Warten auf den Tisch bestellen, damit sie nicht erst danach in den Ofen kommt.
Und jetzt zu der Pizza, von der viele Besucher noch nie gehört haben: der Tavern-Style Pizza. Sie ist das genaue Gegenteil der Deep Dish. Der Boden ist hauchdünn und knusprig wie ein Cracker, der Belag geht bis ganz an den Rand, und geschnitten wird sie nicht in Tortenstücke, sondern in kleine Quadrate. Diese Schnittart nennt man hier "Party Cut". Entstanden ist sie in den Kneipen der Arbeiterviertel, wo die Wirte ihren Gästen kleine, günstige Snacks zum Bier servierten. Die Quadrate kann man gut teilen, nebenbei essen und immer noch eins mehr nehmen. Genau so wird sie bis heute gegessen: in der Nachbarschaftskneipe, beim Football am Sonntag oder als Lieferung auf dem Sofa.
Mein Rat: Macht es wie die Einheimischen und probiert beides. Die Deep Dish einmal als Erlebnis, am besten mit großem Hunger und genug Zeit. Und die Tavern-Style Pizza an einem entspannten Abend in einer Kneipe abseits der Touristenpfade. Dann könnt Ihr auch mitreden, wenn die Diskussion darüber losgeht, welche Pizza die echte Chicago-Pizza ist. Und glaubt mir, das passiert hier schneller, als man denkt.
Do: Chicago-Style Hot Dog und Italian Beef: Streetfood wie die Locals
Wenn es um Essen geht, denken viele bei Chicago zuerst an Pizza. Dabei gibt es zwei Klassiker, die im Alltag der Stadt mindestens genauso wichtig sind: den Chicago-Style Hot Dog und das Italian Beef Sandwich. Beide bekommt Ihr an kleinen Imbissbuden, die oft seit Jahrzehnten im Familienbesitz sind. Die Einrichtung ist meist schlicht, gegessen wird im Stehen, am Tresen oder im Auto. Und genau dort, zwischen Bauarbeitern, Büroangestellten und Familien, lernt Ihr die Stadt oft besser kennen als in manchem schicken Restaurant.
Der Chicago-Style Hot Dog
Ein Chicago Hot Dog ist kein schnelles Würstchen im Brötchen, sondern eine kleine Mahlzeit mit festen Regeln. Die Basis ist ein Würstchen aus reinem Rindfleisch in einem weichen Brötchen mit Mohn. Darauf kommt eine ganz bestimmte Kombination: gelber Senf, eine leuchtend grüne, fast neonfarbene Gurkenrelish, gehackte Zwiebeln, Tomatenscheiben, eine längs geschnittene saure Gurke, kleine scharfe "Sport Peppers" und zum Schluss eine Prise Selleriesalz. Die Einheimischen sagen dazu, der Hot Dog sei "dragged through the garden", also einmal durch den Gemüsegarten gezogen. Und was fehlt? Richtig, der Ketchup. Warum das so wichtig ist, dazu komme ich bei den Don'ts noch ausführlich.
Das Italian Beef Sandwich
Mindestens genauso typisch, aber außerhalb der Stadt viel weniger bekannt, ist das Italian Beef. Entstanden ist es Anfang des 20. Jahrhunderts in den italienischen Einwandererfamilien. Das Fleisch wurde hauchdünn geschnitten, damit man mit einem einzigen Braten eine ganze Hochzeitsgesellschaft satt bekam. Heute wird das Rindfleisch langsam gegart, in feine Scheiben geschnitten und in einer würzigen Brühe, dem "Jus", warmgehalten. Serviert wird es in einem länglichen, französischen Brötchen. Wer die Serie "The Bear" gesehen hat, kennt das Sandwich bereits, denn die Küche der Serie ist einem echten Imbiss in Chicago nachempfunden.
Beim Bestellen müsst Ihr zwei Entscheidungen treffen. Die erste betrifft den Belag: "Sweet" bedeutet gebratene grüne Paprika, "Hot" steht für Giardiniera, ein scharf eingelegtes Gemüse in Öl. Viele nehmen auch beides. Die zweite Entscheidung betrifft die Brühe: "Dry" heißt fast ohne Jus, "Wet" bedeutet eine ordentliche Portion zusätzliche Brühe, und bei "Dipped" wird das komplette Sandwich samt Brötchen einmal in den Jus getaucht. Das ist die Variante, die die meisten Einheimischen bestellen. Sie ist herrlich saftig, aber auch eine ziemliche Sauerei. Ein kleiner Trick der Locals: Stellt Euch zum Essen leicht nach vorne gebeugt hin, die Ellbogen auf dem Tresen, dann tropft es wenigstens nicht aufs Hemd. Diese Haltung hat hier sogar einen Namen: "The Italian Stance".
Do: Einen Abend im Blues- oder Jazzclub verbringen
Es gibt Städte, die man am besten tagsüber erlebt, und es gibt Städte, die erst am Abend ihren wahren Charakter zeigen. Chicago gehört ganz klar zur zweiten Sorte. Und nirgendwo spürt man das so deutlich wie in einem der kleinen, dunklen Clubs, in denen noch heute jeden Abend live Blues und Jazz gespielt wird. Wer in Chicago war, ohne einmal einen dieser Abende erlebt zu haben, hat für mich einen wichtigen Teil der Stadt verpasst.

Denn Chicago hat den Blues nicht erfunden, aber es hat ihn für immer verändert. Während der "Great Migration" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zogen Hunderttausende Afroamerikaner aus den Südstaaten in den Norden, viele davon aus dem Mississippi-Delta. Sie brachten ihre Musik mit, den akustischen Delta Blues. In den lauten Bars und auf den belebten Straßen Chicagos kam man mit einer einfachen Akustikgitarre aber nicht weit. Also griffen die Musiker zu Verstärkern und E-Gitarren, und so entstand der elektrische Chicago Blues. Namen wie Muddy Waters, Howlin' Wolf und Willie Dixon prägten diesen Sound, viele ihrer Songs wurden bei Chess Records aufgenommen. Ohne sie gäbe es die Rolling Stones in ihrer bekannten Form wohl nicht, die Band hat sich sogar nach einem Song von Muddy Waters benannt.
Und wer im Juni in der Stadt ist, sollte sich das Chicago Blues Festival nicht entgehen lassen. Es findet seit 1984 im Millennium Park statt, dauert mehrere Tage, zieht Hunderttausende Besucher an und ist komplett kostenlos. Es gilt als eines der größten kostenlosen Blues-Festivals der Welt.
Do: Die Viertel abseits des Loop entdecken: Wicker Park, Pilsen und Hyde Park
Der Loop mit seinen Hochhäusern, der Magnificent Mile und dem Millennium Park ist das Aushängeschild von Chicago. Aber er ist eben nur ein kleiner Teil der Stadt. Chicago nennt sich selbst gern "City of Neighborhoods", und das zu Recht. Die Stadt besteht aus weit über siebzig offiziellen Vierteln, und viele davon haben ihren ganz eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte und manchmal sogar ihre eigene Sprache. Wer nur im Zentrum bleibt, sieht die Postkarte. Wer mit der "L" ein paar Stationen weiter fährt, lernt die Menschen kennen, die hier leben. Drei Viertel möchte ich Euch besonders ans Herz legen, weil sie so unterschiedlich sind, wie es nur geht.
Wicker Park: Vintage, Cafés und ein Park auf Stelzen
Wicker Park liegt nordwestlich des Zentrums und ist mit der Blue Line in wenigen Minuten erreichbar. Früher lebten hier vor allem polnische und deutsche Einwanderer, später wurde das Viertel zum Treffpunkt für Künstler und Musiker. Heute ist es eines der lebendigsten Ausgehviertel der Stadt. Rund um die Kreuzung von Milwaukee Avenue, North Avenue und Damen Avenue reihen sich Vintage-Läden, Plattengeschäfte, unabhängige Buchhandlungen, Cafés und kleine Restaurants aneinander. Große Ketten sucht Ihr hier weitgehend vergeblich, dafür findet Ihr umso mehr Läden, in denen man stundenlang stöbern kann.
Ein besonderes Highlight ist The 606, ein ehemaliger Bahndamm, der zu einem erhöhten Park- und Radweg umgebaut wurde. Der Weg zieht sich auf fast fünf Kilometern oberhalb der Straßen durch mehrere Viertel. Ihr lauft oder radelt zwischen Gärten, Hinterhöfen und Dächern hindurch und bekommt einen ganz neuen Blick auf das Leben in den Wohnvierteln. Wer die High Line in New York kennt, wird das Prinzip wiedererkennen, nur dass es hier deutlich ruhiger und weniger touristisch zugeht.
Pilsen: Murals, Tacos und mexikanische Kultur
Pilsen liegt südwestlich des Loop und ist eines der farbenfrohsten Viertel der Stadt. Der Name stammt noch von den tschechischen Einwanderern, die sich hier im 19. Jahrhundert niederließen, doch seit Jahrzehnten ist Pilsen das Herz der mexikanischen Community in Chicago. Und das sieht, hört und schmeckt man an jeder Ecke. Die Hauswände sind mit großformatigen Wandbildern bemalt, die von mexikanischer Geschichte, von Migration, von Familie und vom Kampf um Anerkennung erzählen. Am besten lauft Ihr einfach die 18th Street entlang und lasst Euch treiben. Hinter fast jeder Ecke wartet ein neues Kunstwerk.
Unbedingt besuchen solltet Ihr das National Museum of Mexican Art, eines der wichtigsten Museen für mexikanische Kunst in den USA. Der Eintritt ist frei, und besonders rund um den Día de los Muertos im Herbst lohnt sich ein Besuch. Und dann ist da natürlich das Essen: kleine Taquerias, Bäckereien mit bunten Pan Dulce in der Auslage und Läden, in denen die Carnitas schon am Vormittag ausverkauft sein können. Hier esst Ihr besser und günstiger als in den meisten Restaurants im Zentrum.
Hyde Park: Gotik, Frank Lloyd Wright und ein neues Wahrzeichen
Hyde Park liegt im Süden der Stadt direkt am See und fühlt sich fast an wie eine eigene kleine Stadt. Hier befindet sich die University of Chicago, deren Campus mit seinen neugotischen Gebäuden, Türmchen und Innenhöfen eher an Oxford erinnert als an eine amerikanische Großstadt. Ein Spaziergang über das Gelände ist kostenlos und lohnt sich allein schon wegen der Architektur.
Nur wenige Schritte entfernt steht das Robie House, eines der berühmtesten Häuser von Frank Lloyd Wright und ein Meisterwerk seines "Prairie Style" mit flachen, langgestreckten Linien. Etwas weiter östlich wartet das Museum of Science and Industry, eines der größten Wissenschaftsmuseen der Welt, das in einem Gebäude aus der Weltausstellung von 1893 untergebracht ist.
Und seit Juni 2026 hat Hyde Park ein neues Wahrzeichen: das Obama Presidential Center im Jackson Park. Barack Obama hat seine politische Karriere hier auf der South Side begonnen, und genau hier steht jetzt sein Präsidentenzentrum mit Museum, einer Bibliothek und dem "Sky Room" ganz oben im Turm, von dem aus Ihr über die South Side blickt. Weil das Zentrum gerade erst eröffnet hat, ist der Andrang groß. Schaut also vorher auf der offiziellen Website nach, ob Ihr Tickets reservieren müsst.
Do: Chicago von oben: Skydeck oder 360 Chicago
Nach der Bootstour habt Ihr die Hochhäuser von unten bestaunt, auf dem Riverwalk seid Ihr zwischen ihnen hindurchspaziert. Jetzt wird es Zeit, den Spieß umzudrehen und von ganz oben auf die Stadt zu schauen. Erst hier oben versteht man, wie groß Chicago wirklich ist. Die Stadt breitet sich in alle Richtungen bis zum Horizont aus, flach wie ein Brett, durchzogen von schnurgeraden Straßen. Nur im Osten endet sie abrupt, am scheinbar endlosen Blau des Lake Michigan. An klaren Tagen reicht der Blick bis in die Nachbarstaaten Indiana, Michigan und Wisconsin.

Für den Blick von oben gibt es zwei große Aussichtsplattformen, und die Frage, welche die bessere ist, wird fast so leidenschaftlich diskutiert wie die Frage nach der richtigen Pizza.
Skydeck im Willis Tower
Der Willis Tower, den viele Chicagoer bis heute bei seinem alten Namen Sears Tower nennen, war nach seiner Fertigstellung 1973 ein Vierteljahrhundert lang das höchste Gebäude der Welt. Das Skydeck liegt im 103. Stockwerk, auf rund 412 Metern Höhe. Die eigentliche Attraktion ist aber The Ledge: gläserne Kästen, die etwa 1,3 Meter aus der Fassade herausragen. Ihr tretet hinaus, schaut nach unten und seht zwischen Euren Füßen nichts als Luft und die Straßen 412 Meter unter Euch. Selbst wer nicht unter Höhenangst leidet, zögert beim ersten Schritt meist einen Moment. Das Foto in der Glasbox gehört für viele Besucher einfach dazu.
Vom Skydeck aus seht Ihr vor allem den Loop und den Fluss, dazu die endlosen Wohnviertel im Westen und Süden. Der Nachteil: Das Skydeck ist die bekanntere der beiden Plattformen, und entsprechend lang können die Schlangen sein, besonders an der Ledge.
360 Chicago im ehemaligen John Hancock Center
Die zweite Plattform liegt im 94. Stockwerk des markanten schwarzen Hochhauses an der Magnificent Mile, das früher John Hancock Center hieß und heute nach seiner Adresse schlicht 875 North Michigan Avenue genannt wird. Mit etwa 314 Metern ist 360 Chicago zwar niedriger als das Skydeck, aber die Lage ist für mich der entscheidende Vorteil. Das Gebäude steht näher am See, und so habt Ihr hier den schönsten Blick über die Uferlinie, die Strände und den Lake Shore Drive, der sich am Wasser entlangschlängelt. Nach Süden hin liegt die gesamte Skyline vor Euch, samt Willis Tower.
Die Mutprobe heißt hier TILT. Ihr stellt Euch mit bis zu sieben anderen Besuchern an eine Glasfront, haltet Euch an Griffen fest, und dann kippt die ganze Wand langsam nach außen, bis Ihr schräg über der Michigan Avenue hängt. Wer es ruhiger mag, setzt sich stattdessen in die CloudBar, bestellt sich einen Drink und genießt die Aussicht einfach im Sitzen. Ein weiterer Pluspunkt: Bei 360 Chicago könnt Ihr bleiben, so lange Ihr wollt.
Do: Ein Baseballspiel im Wrigley Field erleben
Ihr müsst kein Baseballfan sein, um diesen Punkt zu mögen. Ehrlich gesagt müsst Ihr noch nicht einmal die Regeln verstehen. Ein Nachmittag im Wrigley Field ist weniger ein Sportereignis als ein Stück amerikanische Alltagskultur, und es gibt kaum einen besseren Ort, um die Chicagoer so entspannt und gut gelaunt zu erleben wie hier.

Das Wrigley Field ist die Heimat der Chicago Cubs und wurde 1914 eröffnet. Damit ist es das zweitälteste Stadion der Major League Baseball, nur der Fenway Park in Boston ist noch ein paar Jahre älter. Und das merkt man auf angenehme Weise. Statt einer gigantischen Arena mit Werbebildschirmen an jeder Ecke erwartet Euch hier ein Stadion, das mitten in einem Wohnviertel steht und seinen alten Charme bewahrt hat. Die Außenmauern im Outfield sind mit Efeu bewachsen, das im Sommer sattgrün und im Herbst rot leuchtet. Die große grüne Anzeigetafel wird bis heute von Hand bedient, die Zahlen werden also tatsächlich noch von Mitarbeitern eingesteckt. Und auf den Dächern der Wohnhäuser gegenüber sitzen Zuschauer auf eigenen Tribünen und schauen von dort aus über die Mauer aufs Spielfeld.
Das Schöne an einem Baseballspiel ist sein Tempo. Ein Spiel dauert meist rund drei Stunden, und in dieser Zeit passiert auf dem Feld nicht ununterbrochen etwas. Genau das macht es so gesellig. Die Leute essen, trinken, unterhalten sich mit ihren Sitznachbarn und springen auf, wenn es spannend wird. Wer nicht weiß, was gerade passiert, fragt einfach nach, die meisten erklären es Euch mit großer Begeisterung. Probiert unbedingt einen Hot Dog im Stadion, und nein, auch hier nicht mit Ketchup.
Ein paar Traditionen, auf die Ihr achten solltet:
Der Seventh Inning Stretch: In der Mitte des siebten Durchgangs stehen alle auf und singen gemeinsam "Take Me Out to the Ball Game". Angeführt wird der Gesang von einem Gast, oft einem Prominenten oder einem ehemaligen Spieler. Singt einfach mit, auch wenn Ihr den Text nur halb kennt.
Die Flagge nach dem Spiel: Nach einem Sieg wird über dem Stadion eine weiße Flagge mit einem blauen "W" gehisst, nach einer Niederlage eine blaue mit einem weißen "L". So weiß das ganze Viertel sofort Bescheid.
"Go Cubs Go": Wenn die Cubs gewinnen, schallt dieser Song durchs Stadion, und alle singen lautstark mit. Spätestens dann habt Ihr ihn für den Rest der Reise im Ohr.
Und dann ist da noch die Rivalität, die Ihr kennen solltet. Chicago hat nämlich zwei Baseballteams: die Cubs im Norden und die White Sox im Süden der Stadt. Die Grenze zwischen beiden Lagern verläuft nicht nur durch die Stadt, sondern oft auch durch Familien und Freundeskreise. Die Cubs gelten als das Team der North Side, die Sox als das Team der South Side mit ihrer Arbeitertradition. Wenn beide Teams gegeneinander spielen, ist die Stimmung besonders aufgeladen. Mein Tipp: Tragt im Wrigley Field auf keinen Fall eine Sox-Mütze, und umgekehrt. Und wer ein Gespräch mit einem Chicagoer beginnen möchte, fragt einfach, für welches Team er ist. Danach habt Ihr garantiert Gesprächsstoff für eine Weile.
Do: Art Institute, Millennium Park und The Bean
Manche Sehenswürdigkeiten sind so bekannt, dass man fast schon misstrauisch wird. Kann das wirklich so gut sein, wie alle sagen? Beim Millennium Park und dem Art Institute kann ich Euch beruhigen: Ja, das kann es. Beide liegen direkt nebeneinander am östlichen Rand des Loop, und Ihr könnt sie wunderbar an einem einzigen Tag kombinieren. Vormittags Kunst, nachmittags Park, abends ein Konzert unter freiem Himmel. So sieht für mich ein perfekter Tag in Chicago aus.
Millennium Park: Das Wohnzimmer der Stadt
Der Millennium Park wurde 2004 eröffnet, und das Erstaunliche ist, was vorher an dieser Stelle war: Bahngleise und Parkplätze. Heute ist er so etwas wie das Wohnzimmer von Chicago. Büroangestellte machen hier Mittagspause, Familien picknicken auf dem Rasen, und Besucher aus aller Welt stehen mit dem Handy in der Hand vor dem berühmtesten Kunstwerk der Stadt.

Offiziell heißt es Cloud Gate, aber niemand nennt es so. Für alle ist es einfach The Bean, die Bohne. Die Skulptur des britisch-indischen Künstlers Anish Kapoor ist rund zehn Meter hoch, zwanzig Meter lang und besteht aus 168 Edelstahlplatten, die so nahtlos miteinander verschweißt und poliert wurden, dass die Oberfläche wie aus einem Guss wirkt. Darin spiegeln sich die Skyline, der Himmel, die Wolken und natürlich Ihr selbst, verzerrt und in die Länge gezogen. Geht unbedingt auch unter die Bohne hindurch. In der Wölbung darunter entstehen verrückte, fast kaleidoskopartige Spiegelungen, in denen Ihr Euch dutzendfach wiederfindet. Und ja, Ihr dürft die Oberfläche anfassen. Die untere Hälfte wird deshalb auch mehrmals am Tag von Hand geputzt.
Nur ein paar Schritte weiter steht die Crown Fountain des spanischen Künstlers Jaume Plensa. Zwei fünfzehn Meter hohe Glastürme stehen sich gegenüber, auf ihnen werden die Gesichter von ganz normalen Chicagoern gezeigt. Ab und zu spitzen sie die Lippen, und dann schießt aus ihrem Mund ein Wasserstrahl auf die Menschen darunter. Im Sommer planschen hier Kinder und Erwachsene gleichermaßen in dem flachen Becken zwischen den Türmen.
Ein weiteres Highlight ist der Jay Pritzker Pavilion von Stararchitekt Frank Gehry. Die Bühne wird von geschwungenen Edelstahlbändern eingerahmt, die aussehen, als würden sie sich im Wind aufrollen. Über der Rasenfläche davor spannt sich ein Gitter aus Stahlrohren, an dem die Lautsprecher hängen. Im Sommer finden hier zahlreiche Konzerte statt, viele davon kostenlos. Einfach eine Decke mitbringen, etwas zu essen einpacken und sich auf den Rasen legen. Die Chicagoer machen es genauso.
Wer ein bisschen Ruhe sucht, findet sie im Lurie Garden, einem Garten mit Präriegräsern und Wildblumen mitten zwischen den Hochhäusern. Und über die geschwungene BP Pedestrian Bridge, ebenfalls von Frank Gehry, gelangt Ihr hinüber in den Maggie Daley Park mit Kletterwand und Spielplätzen.
Art Institute of Chicago: Weltklasse hinter zwei Löwen
Direkt neben dem Millennium Park, bewacht von zwei großen Bronzelöwen, liegt das Art Institute of Chicago. Es gehört zu den ältesten und größten Kunstmuseen der USA und wird regelmäßig zu den besten Museen der Welt gezählt. Und das zu Recht. Die Sammlung ist so groß, dass Ihr an einem Tag unmöglich alles sehen könnt. Konzentriert Euch also auf das, was Euch am meisten interessiert.
Do: Kostenlose Highlights - Chicago Cultural Center und Lincoln Park Zoo
Chicago ist keine günstige Stadt. Hotels, Restaurants, Eintrittspreise und die Steuer, die an der Kasse noch dazukommt, summieren sich schnell. Umso schöner ist es, dass einige der besten Erlebnisse der Stadt keinen einzigen Dollar kosten. Zwei davon möchte ich Euch besonders ans Herz legen, weil sie nicht nur kostenlos, sondern auch richtig gut sind.
Chicago Cultural Center: Die schönste Kuppel der Stadt
Direkt gegenüber vom Millennium Park steht ein prächtiges Gebäude, an dem viele Besucher achtlos vorbeilaufen. Von außen wirkt es wie ein klassisches Amtsgebäude aus grauem Stein, doch drinnen erwartet Euch einer der schönsten Innenräume der ganzen Stadt. Das Chicago Cultural Center wurde 1897 als erste zentrale Stadtbibliothek von Chicago eröffnet. Die Stadt wollte damals zeigen, dass sie nach dem großen Brand nicht nur wieder aufgebaut, sondern zu einer Metropole der Kultur geworden war. Und das sieht man. Marmor, Mosaike aus Glas und Perlmutt, goldverzierte Treppenhäuser, ein Detail schöner als das andere.
Das eigentliche Highlight wartet im dritten Stock in der Preston Bradley Hall: eine riesige Kuppel aus Tiffany-Glas, mit einem Durchmesser von fast zwölf Metern und zusammengesetzt aus rund 30.000 einzelnen Glasstücken. Sie gilt als die größte Tiffany-Glaskuppel der Welt. Wenn Tageslicht durch das Glas fällt, leuchtet der ganze Saal in sanften Grün- und Goldtönen. Ihr steht darunter, schaut nach oben und vergesst für einen Moment, dass draußen der Verkehr der Michigan Avenue vorbeirauscht. Im anderen Flügel des Gebäudes gibt es übrigens noch eine zweite, etwas kleinere Glaskuppel, die ebenfalls einen Blick wert ist.
Heute ist das Cultural Center keine Bibliothek mehr, sondern ein Ort für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen, die fast alle kostenlos sind. Schaut vorher ins Programm, vielleicht erwischt Ihr zur Mittagszeit ein kleines Konzert unter der Kuppel. Und ganz nebenbei ist das Gebäude im Winter oder bei Regen ein perfekter Zufluchtsort, um sich aufzuwärmen, bevor es weitergeht.
Lincoln Park Zoo: Tiere mit Skyline-Blick
Der zweite kostenlose Tipp liegt etwas weiter nördlich im Lincoln Park, dem größten Park der Stadt. Der Lincoln Park Zoo gehört zu den ältesten Zoos in Nordamerika und ist bis heute einer der wenigen großen Zoos in den USA, die komplett ohne Eintritt auskommen. Keine Tickets, keine Reservierung, einfach hingehen und reinspazieren. Und das an allen 365 Tagen im Jahr.
Klein ist der Zoo trotzdem nicht. Hier leben Hunderte Tierarten, von Löwen und Gorillas über Eisbären und Giraffen bis hin zu Pinguinen und Erdmännchen. Besonders schön finde ich die Lage: Zwischen den Gehegen blitzt immer wieder die Skyline hervor, und der Kontrast zwischen Zebras im Vordergrund und Wolkenkratzern im Hintergrund hat schon etwas Surreales. Direkt nebenan liegen außerdem ein kleiner Bauernhof für Kinder, ein Teich mit Blick auf die Stadt und das Lincoln Park Conservatory, ein viktorianisches Gewächshaus mit Palmen, Farnen und Orchideen, das ebenfalls kostenlos ist.
Im Winter verwandelt sich der Zoo abends in ein Lichtermeer. Bei ZooLights leuchten Millionen von Lichtern in Form von Tieren, Bäumen und Figuren. An einigen Abenden ist der Eintritt frei, an den anderen zahlt Ihr einen kleinen Betrag. Ein schönes Programm, wenn Ihr in der Adventszeit in Chicago seid.
Don'ts in Chicago: Das solltet Ihr besser lassen
So viel zu den Dingen, die Ihr in Chicago unbedingt erleben solltet. Jetzt wird es Zeit für die andere Seite. Denn so offen und herzlich die Chicagoer sind, so klare Vorstellungen haben sie auch davon, was man in ihrer Stadt tut und was nicht. Manche dieser ungeschriebenen Regeln sind eher augenzwinkernd gemeint, andere können Euch Geld, Zeit oder Nerven sparen. Und bei ein paar Punkten geht es schlicht um Eure Sicherheit. Hier sind die Fehler, die Ihr in Chicago besser nicht machen solltet.
Don't: Ketchup auf den Hot Dog geben
Es gibt in Chicago kaum eine Regel, die so ernst genommen wird wie diese. Und das, obwohl es eigentlich nur um eine Tube rote Sauce geht. Wer an einer Imbissbude nach Ketchup für seinen Hot Dog fragt, erntet im besten Fall ein mitleidiges Lächeln, im schlechtesten Fall einen Kommentar, der sich gewaschen hat. Manche Buden haben Ketchup gar nicht erst im Angebot, zumindest nicht für die Würstchen. Und in einigen Läden hängen sogar Schilder, die unmissverständlich klarmachen, was hier von dieser Idee gehalten wird.
Aber warum eigentlich diese Aufregung? Die Antwort liegt im Hot Dog selbst. Wie Ihr bei den Dos gelesen habt, ist der Chicago-Style Hot Dog eine sorgfältig abgestimmte Komposition: der scharfe gelbe Senf, die süßliche grüne Relish, die frischen Tomaten, die saure Gurke, die scharfen Sport Peppers, die Zwiebeln und das Selleriesalz. Jede Zutat hat ihre Aufgabe, und zusammen ergeben sie eine Mischung aus süß, sauer, scharf, salzig und frisch. Ketchup würde mit seiner Süße und seinem intensiven Geschmack alles andere überdecken. Für die Chicagoer ist das in etwa so, als würdet Ihr in einem italienischen Restaurant Ketchup über Eure Pasta kippen.
Dazu kommt ein gutes Stück Lokalstolz. Der Hot Dog ist in Chicago nicht einfach Fast Food, sondern ein Teil der Identität der Stadt. Er steht für die Imbissbuden der Einwanderer, für schnelle Mittagspausen in der Fabrik und für Nachmittage im Baseballstadion. Und wie das bei Traditionen so ist, lässt man sie sich ungern von Besuchern verändern.
Die Ablehnung geht übrigens weit über Chicago hinaus. Selbst der amerikanische National Hot Dog and Sausage Council, den es tatsächlich gibt, hat in seinen augenzwinkernden Benimmregeln festgehalten, dass Ketchup auf einem Hot Dog für Erwachsene tabu ist. Ab 18 Jahren solltet Ihr also besser die Finger davon lassen.
Ganz so streng, wie es klingt, ist es im Alltag natürlich nicht. Niemand wird Euch aus dem Laden werfen, wenn Ihr doch nach Ketchup fragt. Aber Ihr outet Euch damit sofort als Tourist, und ein kleiner Spruch des Verkäufers ist Euch fast sicher. Mein Rat: Probiert den Hot Dog wenigstens einmal so, wie er gedacht ist. Die meisten, die das tun, verstehen danach, worum es geht. Und wer auf Ketchup partout nicht verzichten kann, nimmt ihn einfach für die Pommes. Da hat nämlich niemand etwas dagegen.
Don't: Wind und Wetter unterschätzen
Chicago hat den Spitznamen "Windy City", und die meisten Besucher denken dabei sofort an stürmisches Wetter. Die Geschichte dahinter ist allerdings eine andere. Der Name stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und bezog sich eher auf die Politiker und Geschäftsleute der Stadt, die für ihre großspurigen Reden und ihr lautes Selbstlob bekannt waren. Ganz genau weiß das heute niemand mehr. Aber auch wenn der Spitzname wohl nicht vom Wetter kommt, passt er trotzdem. Denn wer das Klima in Chicago unterschätzt, bereut es schnell.

Das liegt vor allem am Lake Michigan. Der riesige See beeinflusst das Wetter in der Stadt enorm, und zwar auf eine Weise, die viele überrascht. Im Frühjahr und Frühsommer bleibt das Wasser noch lange kalt, während sich das Land schon aufwärmt. Die Folge: Direkt am Ufer kann es mehrere Grad kühler sein als nur ein paar Kilometer weiter im Landesinneren. Die Chicagoer haben dafür sogar einen eigenen Ausdruck: "cooler by the lake". Es kann Euch also passieren, dass Ihr morgens bei angenehmen Temperaturen im T-Shirt loszieht und am Nachmittag am Navy Pier fröstelnd im kalten Wind steht. Manchmal zieht vom See auch dichter Nebel herein und verschluckt die Spitzen der Hochhäuser innerhalb weniger Minuten.
Dazu kommt der Wind, der sich zwischen den Hochhäusern fängt. In den Straßenschluchten des Loop und entlang des Flusses kann er sich so verstärken, dass Ihr an manchen Ecken regelrecht gegen ihn ankämpfen müsst. Ein Schirm ist da oft schneller umgeklappt, als Euch lieb ist.
Richtig ernst wird es im Winter. Die Monate von Dezember bis Februar sind in Chicago lang, grau und bitterkalt. Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt sind normal, und der eisige Wind vom See lässt es sich noch viel kälter anfühlen. Die Amerikaner sprechen dann von der "Wind Chill", der gefühlten Temperatur, und die liegt oft weit unter der tatsächlichen. Bei extremen Kälteeinbrüchen, wie etwa im Januar 2019, sank die Temperatur auf fast minus 30 Grad, die gefühlte Temperatur lag sogar noch deutlich tiefer. Schulen und Behörden blieben geschlossen, und selbst die Chicagoer, die einiges gewohnt sind, blieben zu Hause.
Im Sommer dagegen kann es heiß und schwül werden, mit Temperaturen über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit, die das Atmen schwer macht. Oft entladen sich diese Tage in kräftigen Gewittern, die plötzlich aufziehen und genauso schnell wieder vorbei sind.
Don't: Nur im Loop und auf der Magnificent Mile bleiben
Viele Besucher verbringen ihre komplette Zeit in Chicago in einem Gebiet von wenigen Quadratkilometern. Sie wohnen in einem Hotel im Loop, spazieren über die Magnificent Mile, machen die Bootstour, gehen in den Millennium Park und fliegen wieder nach Hause. Das ist verständlich, denn hier liegen viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten dicht beieinander, und man kommt überall bequem zu Fuß hin. Aber wer es dabei belässt, hat am Ende nur einen kleinen und nicht besonders typischen Ausschnitt der Stadt gesehen.

Fangen wir mit der Magnificent Mile an. Der Abschnitt der Michigan Avenue zwischen dem Chicago River und der Oak Street gilt als die große Einkaufsstraße der Stadt und wird in vielen Reiseführern als Highlight angepriesen. Und ja, die Architektur ist beeindruckend, und ein Spaziergang lohnt sich durchaus. Am nördlichen Ende steht zum Beispiel der alte Water Tower, einer der wenigen Bauten, die den großen Brand von 1871 überstanden haben. Aber wer hier auf besondere Einkaufserlebnisse hofft, wird eher enttäuscht. Die Straße ist vor allem von großen internationalen Ketten und Flagship-Stores geprägt, die es in jeder anderen Großstadt der Welt genauso gibt. Dazu kommt, dass in den letzten Jahren einige große Geschäfte geschlossen haben und hier und da leere Schaufenster zu sehen sind. Das Einkaufen könnt Ihr also getrost auf ein Minimum beschränken.
Der Loop wiederum ist in erster Linie ein Geschäftsviertel. Unter der Woche, wenn Zehntausende Büroangestellte unterwegs sind, pulsiert hier das Leben. Aber am Abend und am Wochenende wird es in manchen Straßen erstaunlich ruhig. Viele Restaurants und Cafés, die auf die Mittagspause der Pendler ausgerichtet sind, haben dann geschlossen. Wer abends gut essen oder ausgehen möchte, ist in anderen Vierteln deutlich besser aufgehoben.
Und genau da liegt der eigentliche Punkt: Das wahre Chicago findet Ihr in den Nachbarschaften. Bei den Dos habe ich Euch Wicker Park, Pilsen und Hyde Park schon ausführlich vorgestellt, aber es gibt noch viele weitere Viertel, die ganz nah am Zentrum liegen und sich trotzdem völlig anders anfühlen.
Don't: Einen Mietwagen für die Innenstadt buchen
In den USA gehört der Mietwagen für viele Reisende einfach dazu. Wer an Kalifornien, die Nationalparks oder eine Tour durch die Südstaaten denkt, kommt ohne Auto tatsächlich kaum weit. Deshalb buchen viele automatisch auch für Chicago gleich einen Wagen dazu. Mein klarer Rat: Lasst es bleiben, zumindest für die Tage, die Ihr in der Stadt verbringt. Chicago ist eine der wenigen amerikanischen Großstädte, in denen man ohne Auto nicht nur gut zurechtkommt, sondern sogar deutlich besser.
Das größte Problem ist das Parken. In der Innenstadt ist ein Parkplatz eine Kostbarkeit, und das lässt man Euch spüren. Viele Hotels im Loop und in River North verlangen pro Nacht noch einmal eine saftige Gebühr fürs Parken, oft 50 Dollar oder mehr. Auf eine Woche gerechnet kommt da schnell ein Betrag zusammen, für den Ihr eine weitere Übernachtung bekommen würdet. Öffentliche Parkhäuser sind kaum günstiger, und die Parkuhren am Straßenrand gehören zu den teuersten im ganzen Land. Das hat übrigens eine kuriose Vorgeschichte: Die Stadt hat die Einnahmen aus ihren Parkuhren vor einigen Jahren für Jahrzehnte an private Investoren verpachtet, und seitdem sind die Gebühren kräftig gestiegen.
Dazu kommen die Parkregeln, die für Besucher oft schwer zu durchschauen sind. In vielen Wohnvierteln dürfen nur Anwohner mit Genehmigung parken, an bestimmten Tagen wird die Straße gereinigt, und im Winter gelten auf manchen Straßen Halteverbote wegen des Schneeräumens. Die Hinweise dazu stehen auf kleinen Schildern, die man leicht übersieht. Wer falsch parkt, riskiert schnell einen Strafzettel oder muss sein Auto sogar beim Abschleppdienst auslösen, und das ist teuer und kostet einen halben Urlaubstag.
Auch das Fahren selbst ist nicht unbedingt ein Vergnügen. Auf den großen Autobahnen, wie dem Kennedy Expressway zum Flughafen O'Hare oder dem Dan Ryan Expressway im Süden, staut es sich zur Rushhour regelmäßig. Und in der Innenstadt wartet eine ganz besondere Herausforderung: Die Wacker Drive entlang des Flusses verläuft auf mehreren Ebenen übereinander. Auf den unteren Ebenen verliert das Navi gern mal das GPS-Signal, und ehe Ihr Euch verseht, habt Ihr die richtige Ausfahrt verpasst. Wer den Film "The Dark Knight" gesehen hat, kennt diese düsteren Straßen übrigens, denn einige Verfolgungsjagden wurden genau dort gedreht.
Die gute Nachricht: Ihr braucht das Auto schlicht nicht. Chicago ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend erschlossen:
Vom Flughafen in die Stadt: Vom Flughafen O'Hare fährt die Blue Line rund um die Uhr direkt in den Loop. Vom kleineren Flughafen Midway bringt Euch die Orange Line ins Zentrum. Beides ist günstig und oft schneller als das Taxi.
Innerhalb der Stadt: Mit der "L" und den Bussen erreicht Ihr so gut wie alle Viertel und Sehenswürdigkeiten, die für Euch interessant sind.
Am Seeufer entlang: Für Strände, Parks und den Lakefront Trail sind die Leihräder von Divvy ideal.
Auf dem Fluss: Das Wassertaxi ist eine entspannte und schöne Alternative für einige Strecken im Zentrum.
Für den Rest: Taxis und Fahrdienste wie Uber oder Lyft sind in Chicago überall verfügbar, gerade spät abends oder wenn Ihr viel Gepäck dabeihabt.
Don't: Das Trinkgeld vergessen
Beim Trinkgeld prallen europäische und amerikanische Gewohnheiten so deutlich aufeinander wie bei kaum einem anderen Thema. Bei uns ist ein Trinkgeld eine nette Geste, wenn man zufrieden war. Man rundet auf, gibt vielleicht fünf oder zehn Prozent, und niemand nimmt es einem übel, wenn es mal etwas weniger ist. In den USA funktioniert das grundlegend anders, und Chicago ist da keine Ausnahme. Hier ist das Trinkgeld kein Bonus, sondern ein fester Bestandteil der Bezahlung.
Der Grund dafür liegt im amerikanischen Lohnsystem. Kellnerinnen, Kellner und Barkeeper bekommen in vielen Bundesstaaten nur einen sehr niedrigen Grundlohn, weil fest davon ausgegangen wird, dass der Rest über das Trinkgeld hereinkommt. In Chicago wird gerade darüber gestritten, wie es mit diesem System weitergeht, und die Regeln sind im Wandel. Am Alltag in den Restaurants ändert das bisher aber wenig: Das Trinkgeld wird erwartet, und für viele Servicekräfte macht es einen großen Teil ihres Einkommens aus. Wer nichts oder zu wenig gibt, spart also nicht einfach ein paar Dollar, sondern kürzt dem Personal ganz direkt den Lohn.
Wie viel ist also angemessen? Hier eine grobe Orientierung:
Im Restaurant mit Bedienung: 18 bis 20 Prozent sind in Chicago üblich. Bei sehr gutem Service dürfen es auch mehr sein. Weniger als 15 Prozent gilt als deutliches Zeichen, dass Ihr unzufrieden wart.
An der Bar: Pro Getränk etwa ein bis zwei Dollar, bei aufwendigeren Cocktails gern etwas mehr. Wer eine Rechnung für den ganzen Abend offen hat, gibt am Ende die üblichen 18 bis 20 Prozent.
Im Taxi oder bei Uber und Lyft: Etwa 15 bis 20 Prozent des Fahrpreises. Bei den Fahrdiensten könnt Ihr das Trinkgeld bequem in der App geben.
Im Hotel: Für den Zimmerservice einige Dollar pro Nacht, am besten täglich, da oft wechselnde Mitarbeiter Euer Zimmer reinigen. Für den Pagen, der Euer Gepäck aufs Zimmer bringt, ein bis zwei Dollar pro Gepäckstück.
Bei geführten Touren: Bei privaten Stadtführungen oder Food-Touren ist ein Trinkgeld für den Guide üblich, je nach Länge und Qualität der Tour.
Im Café oder an der Imbisstheke: Hier ist ein Trinkgeld freiwillig. Viele geben einen Dollar oder runden auf, aber niemand erwartet es so wie im Restaurant.
Don't: Sich an der Kasse von der Steuer überraschen lassen
Diese Situation kennt fast jeder, der zum ersten Mal in den USA unterwegs ist: Ihr steht im Laden, habt Euch ein T-Shirt für 25 Dollar ausgesucht, legt passend das Geld auf den Tresen, und die Kassiererin schaut Euch erwartungsvoll an. Denn auf dem Display stehen plötzlich knapp 28 Dollar. Der Grund ist so simpel wie gewöhnungsbedürftig: In den USA sind die Preise auf Schildern, Speisekarten und Preisschildern fast immer ohne Steuer angegeben. Die kommt erst an der Kasse dazu.
Bei uns in Deutschland ist die Mehrwertsteuer im Preis bereits enthalten. Was auf dem Schild steht, zahlt Ihr auch. In den USA dagegen gibt es keine landesweite Mehrwertsteuer, sondern eine sogenannte "Sales Tax", die von jedem Bundesstaat, jedem Landkreis und jeder Stadt selbst festgelegt wird. Und genau deshalb wird sie erst an der Kasse aufgeschlagen. Ein Unternehmen mit Filialen im ganzen Land müsste sonst überall andere Preisschilder aufhängen.
Und jetzt kommt der Haken: Chicago gehört zu den Städten mit den höchsten Steuersätzen in den gesamten USA. Die allgemeine Sales Tax liegt hier bei 10,25 Prozent. Das heißt, auf praktisch alles, was Ihr kauft, kommt noch einmal gut ein Zehntel obendrauf.
Im Restaurant wird es sogar noch etwas mehr. Die Stadt erhebt zusätzlich eine eigene Restaurantsteuer, und im Zentrum rund um den Loop, River North und die Magnificent Mile kommt noch ein weiterer Aufschlag hinzu. Dort landet Ihr bei insgesamt rund 11,75 Prozent. Rechnet Ihr jetzt noch das Trinkgeld aus dem vorherigen Punkt dazu, seid Ihr schnell bei 30 Prozent über dem Preis auf der Speisekarte. Aus einem Burger für 20 Dollar werden so am Ende rund 26 Dollar.
Am deutlichsten merkt Ihr den Unterschied aber beim Hotel. Auf die Übernachtung kommen in Chicago gleich mehrere Steuern von Stadt, Landkreis und Bundesstaat zusammen, die sich auf rund 20 Prozent oder sogar mehr summieren. Bei einem Zimmer für 250 Dollar pro Nacht sind das rund 50 Dollar zusätzlich, jede einzelne Nacht. Und als wäre das nicht genug,
verlangen viele Hotels noch eine sogenannte "Destination Fee" oder "Amenity Fee", eine pauschale Gebühr pro Nacht für Dinge wie WLAN, einen Begrüßungsdrink oder die Nutzung des Fitnessraums. Auch die taucht bei der Buchung oft erst ganz am Ende auf.
Selbst bei Kleinigkeiten greift die Stadt zu. Für jede Einkaufstüte im Supermarkt zahlt Ihr ein paar Cent extra, und auf Flaschenwasser gibt es ebenfalls eine eigene kleine Steuer. Das sind zwar nur Cent-Beträge, aber sie zeigen, wie findig Chicago beim Thema Steuern ist.
Don't: Den Lake Michigan für ein harmloses Badegewässer halten
An einem heißen Sommertag wirkt der Lake Michigan wie eine Einladung. Das Wasser schimmert türkis, die Wellen rollen sanft an den Sandstrand, und am North Avenue Beach oder am Oak Street Beach tummeln sich Tausende Menschen. Man könnte fast glauben, man sei am Meer. Und genau hier liegt das Problem: Der See sieht aus wie ein Meer, verhält sich an manchen Tagen auch so, wird aber von vielen Besuchern behandelt wie ein gemütlicher Badesee. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
Der Lake Michigan ist gewaltig. Er ist so groß, dass sich auf ihm Wellen aufbauen können, die mehrere Meter hoch werden. Vor allem wenn der Wind stark von Norden oder Osten über den See weht, rollen sie mit enormer Kraft ans Ufer. Und mit den Wellen entstehen gefährliche Strömungen. Die bekanntesten sind die sogenannten Rip Currents, Rückströmungen, die das Wasser in einem schmalen Kanal vom Strand weg in Richtung offener See ziehen. Wer in eine solche Strömung gerät, wird innerhalb weniger Sekunden vom Ufer weggezogen, selbst als guter Schwimmer. Besonders tückisch sind auch die Strömungen entlang von Piers, Wellenbrechern und Uferbefestigungen, wo das Wasser von den Mauern zurückgeworfen wird.
Dazu kommt die Temperatur. Selbst im Hochsommer kann das Wasser überraschend kalt sein, vor allem nach einem Wetterumschwung, wenn kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche gedrückt wird. Wer unvorbereitet in sehr kaltes Wasser springt, kann einen Kälteschock erleiden, der das Atmen und Schwimmen schlagartig erschwert.
Das alles klingt vielleicht übertrieben, ist es aber leider nicht. Der Lake Michigan gilt als der gefährlichste der Großen Seen, jedes Jahr ertrinken hier Menschen. Viele davon sind Besucher, die die Kraft des Wassers unterschätzt haben.
Don't: Zu viel in einen Tag packen
Wenn man eine Reise nach Chicago plant und sich die Sehenswürdigkeiten auf der Karte anschaut, wirkt alles ganz nah beieinander. Das Art Institute, der Navy Pier, das Wrigley Field, Hyde Park, Wicker Park, alles liegt scheinbar nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt. Da ist schnell ein Tagesplan geschmiedet, der morgens mit der Bootstour beginnt, mittags durchs Art Institute führt, nachmittags zum Baseball und abends noch in einen Jazzclub am anderen Ende der Stadt. Auf dem Papier klingt das machbar. In der Realität endet so ein Tag meist mit schmerzenden Füßen, viel Zeit in der Bahn und dem Gefühl, nichts richtig gesehen zu haben.
Der Grund: Chicago ist riesig. Die Stadt erstreckt sich über rund 50 Kilometer entlang des Seeufers und ist flächenmäßig deutlich größer als etwa München oder Frankfurt. Die Karte täuscht, weil die Stadt so flach und gleichmäßig angelegt ist. Vom Loop bis nach Hyde Park seid Ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund eine halbe Stunde unterwegs, bis zum Wrigley Field ebenso, und bis zum Flughafen O'Hare noch deutlich länger. Rechnet Ihr die Wege zur Station, die Wartezeiten und das Umsteigen dazu, sind schnell zwei oder drei Stunden am Tag nur mit Fahren verbracht.
Dazu kommt, dass viele Sehenswürdigkeiten deutlich mehr Zeit brauchen, als man denkt. Das Art Institute könnt Ihr nicht in einer Stunde abhaken, wenn Ihr mehr als nur die berühmtesten Bilder sehen wollt. Das Field Museum, das Shedd Aquarium oder das Museum of Science and Industry sind so groß, dass Ihr für jedes einzelne leicht einen halben Tag einplanen könnt. Und ein Baseballspiel dauert mit Anreise und Stimmung im Viertel schnell fünf oder sechs Stunden.
Und dann ist da noch der Jetlag. Chicago liegt sieben Stunden hinter der deutschen Zeit. Die ersten ein, zwei Tage seid Ihr morgens früh wach, aber am Nachmittag fallen Euch die Augen zu. Wer sich in dieser Zeit zu viel vornimmt, ist spätestens am dritten Tag völlig erledigt.
Don't: Chicago nur im Sommer besuchen
Die meisten Besucher kommen im Sommer nach Chicago, und das ist verständlich. Zwischen Juni und August ist die Stadt voller Leben. Die Strände sind voll, auf den Dachterrassen wird bis spät in die Nacht gefeiert, und fast jedes Wochenende findet irgendwo ein Festival statt. Aber genau deshalb ist der Sommer auch die Zeit, in der Chicago am vollsten, am teuersten und manchmal auch am anstrengendsten ist. Die Hotelpreise erreichen ihren Höhepunkt, an den großen Sehenswürdigkeiten bilden sich lange Schlangen, und an heißen, schwülen Tagen macht das Sightseeing zwischen den aufgeheizten Hochhäusern nur bedingt Spaß.
Dabei hat Chicago zu jeder Jahreszeit seinen eigenen Reiz. Und wer die Stadt außerhalb der Hochsaison besucht, erlebt sie oft von ihrer entspanntesten und authentischsten Seite.
Herbst: Meine Lieblingsjahreszeit für Chicago
Wenn ich mich für eine Reisezeit entscheiden müsste, wäre es der Herbst, genauer gesagt September und Oktober. Die schwüle Sommerhitze ist vorbei, die Temperaturen sind angenehm mild, und an vielen Tagen strahlt ein tiefblauer Himmel über der Stadt. Die Bäume im Lincoln Park und entlang des Seeufers färben sich rot und golden, und das Efeu an den Mauern des Wrigley Field leuchtet in kräftigem Rot. Das Licht ist weicher, die Luft klarer, und die Aussicht von den Plattformen reicht oft besonders weit.
Dazu kommen einige besondere Veranstaltungen. Jedes Jahr im Oktober findet Open House Chicago statt, eines der größten Architekturfestivals der Welt. An einem Wochenende öffnen über 200 Gebäude in der ganzen Stadt ihre Türen, darunter viele, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind: prächtige Lobbys, historische Clubs, Kirchen, Dachterrassen und private Büros in den oberen Etagen der Wolkenkratzer. Der Eintritt ist kostenlos, und eine Anmeldung ist nicht nötig. Für Architekturfans ist das ein absolutes Highlight. Ebenfalls im Oktober läuft der Chicago Marathon, einer der größten Marathons der Welt, bei dem die ganze Stadt an der Strecke steht und die Läufer anfeuert. Und rund um den Día de los Muertos Ende Oktober und Anfang November zeigt sich Pilsen von seiner farbenprächtigsten Seite.
Frühling: Die Stadt erwacht
Der Frühling in Chicago ist launisch. Im März und April kann es noch schneien, und kurz darauf ist es plötzlich frühlingshaft warm. Aber gerade diese Zeit hat ihren Reiz. Im März färbt sich zum St. Patrick's Day der Chicago River in leuchtendem Grün, eine Tradition, die es seit den 1960er Jahren gibt. Im April beginnt die Baseballsaison, und im Mai blühen in den Parks die Tulpen und Kirschbäume. Die Stadt wirkt nach dem langen Winter wie befreit, und die Menschen strömen zurück auf die Straßen, die Terrassen und an den See.
Winter: Kalt, aber voller Atmosphäre
Ja, der Winter in Chicago ist hart. Aber wer sich warm anzieht, erlebt eine ganz besondere Stimmung. Für uns Deutsche gibt es dabei sogar ein kleines Stück Heimat: Seit rund 30 Jahren findet auf der Daley Plaza im Loop der Christkindlmarket statt, ein Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild. Es gibt Glühwein in kleinen Stiefeltassen, Bratwurst, Lebkuchen, Stollen und Holzspielzeug. Einen zweiten Ableger findet Ihr übrigens direkt neben dem Wrigley Field. Es ist ein seltsames und schönes Gefühl, zwischen den Wolkenkratzern von Chicago an einem Glühweinstand zu stehen und um sich herum ein paar deutsche Wörter zu hören.
Don't: Nachts gedankenlos durch unbekannte Ecken laufen
Bei kaum einer amerikanischen Stadt ist das Bild in den Köpfen so stark von Schlagzeilen geprägt wie bei Chicago. Viele denken sofort an Al Capone, an Gangsterfilme und an Nachrichten über Gewalt. Und ja, Chicago hat in Sachen Kriminalität keinen guten Ruf. Aber dieses Bild ist nur ein Teil der Wahrheit, und für Besucher ist es oft ziemlich verzerrt.
Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Kriminalität in Chicago ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2025 verzeichnete die Stadt die niedrigste Zahl an Tötungsdelikten seit rund 60 Jahren. Und die Kriminalität, über die in den Nachrichten berichtet wird, konzentriert sich stark auf einige wenige Gegenden der Stadt, die abseits der touristischen Routen liegen. In den Vierteln, in denen Ihr Euch als Besucher normalerweise bewegt, also im Loop, in River North, an der Magnificent Mile, am Seeufer, in Lincoln Park, Wicker Park oder im West Loop, fühlt man sich tagsüber und am Abend in der Regel sicher. Hier sind viele Menschen unterwegs, und das Leben auf den Straßen ist nicht anders als in anderen Großstädten auch.
Trotzdem wäre es falsch, völlig sorglos durch die Stadt zu laufen. Chicago ist eine Großstadt mit fast drei Millionen Einwohnern, und wie in jeder Großstadt gibt es Taschendiebstahl, Handydiebstahl und Einbrüche in Autos. Besonders nachts kann sich die Stimmung in manchen Straßen ändern. Gegenden, die tagsüber belebt und harmlos wirken, können nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich leer und ungemütlich sein. Das gilt vor allem für Teile des Loop am späten Abend, wenn die Büros längst geschlossen haben, aber auch für unbekannte Viertel, in die Ihr ohne Plan hineinlauft.
Es geht bei diesem Punkt also nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, mit dem gleichen gesunden Menschenverstand unterwegs zu sein, den Ihr auch in Berlin, Paris oder London an den Tag legen würdet.
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