Vom Flughafen in die City: Der Chicago-Transfer-Guide
- Endre Lommatzsch

- vor 18 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Wer in Chicago landet, hat sofort eine Entscheidung vor sich, noch bevor der erste Deep-Dish-Pizza-Gedanke aufkommt: Wie kommt Ihr eigentlich vom Flughafen in die Stadt? Chicago hat nämlich gleich zwei Airports, O'Hare und Midway, und je nachdem, wo Ihr landet, sieht der Weg in die Innenstadt ziemlich unterschiedlich aus.

Inhaltsverzeichnis
O'Hare oder Midway? Die Ausgangslage
Bevor es an die Details geht, kurz die wichtigste Frage: Wo seid Ihr überhaupt gelandet? Für die meisten von Euch ist das gar keine Frage, sondern längst entschieden, bevor Ihr überhaupt gebucht habt. Fliegt Ihr direkt aus Deutschland, zum Beispiel mit Lufthansa oder United ab Frankfurt oder München, landet Ihr so gut wie sicher in O'Hare, dem großen internationalen Hub im Nordwesten der Stadt. Midway dagegen ist eher das Reich der innerdomestischen Flüge, vor allem Southwest fliegt hier fast im Minutentakt, mit Verbindungen quer durch die USA. Wenn Ihr also erst über einen anderen US-Hub umsteigt, könnt Ihr durchaus auch in Midway landen.
Die beiden Flughäfen unterscheiden sich aber nicht nur darin, wer sie anfliegt, sondern auch geografisch deutlich. O'Hare liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich vom Loop entfernt, ist riesig, entsprechend unübersichtlich und braucht generell mehr Vorlaufzeit, allein von der Gate-Ankunft bis zur Bahnstation können da schon mal 15 Minuten draufgehen. Midway liegt mit rund 16 Kilometern deutlich näher an der Innenstadt, ist überschaubarer und insgesamt der entspanntere der beiden, dafür aber auch kleiner und mit weniger Optionen ausgestattet, wenn's um die Weiterreise geht.

O'Hare: Eure Optionen
Ihr habt am O'Hare drei realistische Wege in die Stadt. Die CTA Blue Line ist am günstigsten und fährt rund um die Uhr, braucht dafür aber die meiste Eigenleistung, sprich Koffer schleppen und Umsteigen inklusive. Taxi oder Rideshare sind bequem, aber auch am teuersten, und ein Shuttle-Service liegt preislich und komfortmäßig irgendwo dazwischen.
O'Hare: Mit der CTA Blue Line
Meine klare Empfehlung, und zwar aus Prinzip: Die Blue Line fährt rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, Ihr müsst also nie auf einen Fahrplan schielen. Die Station liegt unter Terminal 2, alle anderen Terminals sind über die kostenlose ATS-Bahn angebunden, rechnet für den Weg vom Gate bis zum Bahnsteig ruhig 10 bis 15 Minuten ein. Die Fahrt selbst dauert dann etwa 45 Minuten bis zum Loop, was angesichts des Verkehrs auf den Chicagoer Highways zur Rushhour oft sogar schneller ist als jedes Taxi.
Der einzige Haken: Wer am O'Hare in die Bahn einsteigt, zahlt einen Aufschlag, aktuell 5 US-Dollar statt der sonst üblichen 2,50 (nur beim Einstieg, Rückfahrten zum Flughafen kosten wieder normal). Bezahlt wird kontaktlos, entweder direkt mit Kredit- oder Debitkarte, mit einer Ventra-Karte oder über die Ventra-App, Bargeld braucht Ihr an der Station nicht.
Die Karten der CTA findet Ihr übrigens hier:
O'Hare: Taxi und Rideshare
Deutlich komfortabler, aber auch deutlich teurer. Ein offizielles Taxi kostet zwischen 45 und 55 Dollar, bei Uber und Lyft bewegt Ihr Euch in einer ähnlichen Spanne, könnt bei viel Andrang durch Surge-Pricing aber auch mal locker drüber landen.
Wichtig zu wissen: Rideshare-Fahrzeuge holen Euch nicht direkt vor dem Terminal ab, sondern in einer eigenen Sammelzone, die Ihr per Shuttle-Bus erreicht, plant dafür ein paar Minuten extra ein, bevor Ihr überhaupt einsteigt.
O'Hare: Shuttle-Service
Preislich irgendwo zwischen Bahn und Taxi liegen Shuttle-Anbieter, zum Beispiel GO Airport Express, ein Chicago-eigener Tür-zu-Tür-Service, oder GO Airport Shuttle, ein bundesweiter Anbieter mit geteilten Fahrten ab etwa 44 Dollar pro Person in die Innenstadt. Beide bringen Euch direkt vor die Hoteltür, ohne dass Ihr mit Koffern durch die Bahnstation müsst. Praktisch, wenn Ihr zu zweit mit viel Gepäck unterwegs seid und Euch die Bahn zu umständlich ist, für Einzelreisende meist aber teurer als nötig.
Kleiner Hinweis: Die genauen Preise variieren je nach Zielort und Personenzahl, am besten kurz vor der Reise direkt auf den jeweiligen Seiten prüfen, da sich Tarife öfter ändern als man denkt.
Midway: Eure Optionen
Midway ist insgesamt der entspanntere Fall. Die CTA Orange Line ist günstiger und schneller als die Blue Line vom O'Hare, hat aber eine nächtliche Betriebspause. Taxi und Rideshare sind hier spürbar günstiger als am O'Hare, einen eigenen Shuttle-Service in dem Sinne gibt es an Midway kaum, dafür ist die Strecke insgesamt auch kürzer.
Midway: Mit der CTA Orange Line
Die Orange Line bringt Euch in etwa 25 bis 30 Minuten ins Zentrum, deutlich schneller als die Blue Line vom O'Hare, und ohne den dortigen Aufschlag: Ein normales Ticket kostet 2,50 Dollar, bezahlt wie gehabt kontaktlos mit Karte, Ventra-Karte oder Ventra-App. Der einzige Unterschied zur Blue Line: Die Orange Line fährt nicht rund um die Uhr, nachts gibt es eine Betriebspause von etwa halb zwei bis halb vier Uhr morgens. Landet Ihr in diesem Zeitfenster, bleibt Euch nur Taxi oder Rideshare.
Midway: Taxi und Rideshare
Hier seid Ihr insgesamt günstiger unterwegs als am O'Hare, ein Taxi kostet zwischen 35 und 45 Dollar, Uber und Lyft bewegen sich zwischen 25 und 45 Dollar, je nach Tageszeit und Nachfrage auch mal etwas mehr. Die Fahrzeit liegt bei 20 bis 50 Minuten, abhängig vom Verkehr auf dem Weg in die Innenstadt.
Meine Empfehlung für Euch
Ganz ehrlich: Für die meisten von Euch lautet meine Empfehlung schlicht Bahn nehmen, egal ob O'Hare oder Midway. Sie ist günstiger, in der Rushhour oft sogar schneller als ein Auto, und Ihr bekommt gleich beim ersten Blick aus dem Fenster einen ziemlich ehrlichen Eindruck von Chicago, statt nur die Rückbank eines Taxis von innen zu sehen. Das gilt besonders, wenn Ihr mit leichtem Gepäck reist, tagsüber ankommt und nicht zu fünft mit drei Koffern pro Person unterwegs seid.
Realistisch betrachtet, gibt es aber ein paar Situationen, in denen ich selbst zum Taxi oder Rideshare greifen würde. Landet Ihr spät nachts an Midway, in der Betriebspause der Orange Line, bleibt Euch ohnehin keine Wahl. Kommt Ihr nach einem 10-Stunden-Flug übermüdet aus dem Interkontinentalflug am O'Hare und wollt einfach nur noch ins Hotelbett, ist der Aufpreis für ein Taxi ehrlicherweise gut investiertes Geld, spart Euch Nerven und Umsteigen mit müdem Kopf. Und reist Ihr zu dritt oder viert mit entsprechend viel Gepäck, teilt sich der Taxi- oder Rideshare-Preis pro Kopf oft so weit runter, dass er kaum noch über dem Bahnticket liegt, dafür kommt Ihr ohne Koffer-Jonglieren auf Rolltreppen und in vollen Wagons an.
Die Shuttle-Services würde ich als Mittelweg sehen, für alle, die weder auf den letzten Cent schauen noch unbedingt ein privates Taxi wollen, aber trotzdem direkt vor der Hoteltür ankommen möchten, ohne selbst zu buchen und zu warten wie bei Uber zu Stoßzeiten.
Ein letzter praktischer Tipp, egal für welche Option Ihr Euch entscheidet: Ladet Euch die Ventra-App schon vor dem Abflug runter und hinterlegt eine Zahlungsmethode. Dann müsst Ihr Euch am Automaten nicht mit Kleingeld oder englischsprachigen Bildschirmen rumschlagen, sondern seid mit ein paar Klicks direkt einsatzbereit, sobald Ihr aus dem Flieger steigt. Und egal ob Bahn, Taxi oder Shuttle, in einer fremden Stadt lohnt es sich immer, Wertsachen griffbereit statt in der äußeren Jackentasche zu haben, gerade direkt nach der Landung, wenn man selbst am unaufmerksamsten ist.
Am Ende ist es wie so oft beim Reisen: Es gibt keine einzig richtige Antwort, nur die, die zu Eurem Gepäck, Eurer Uhrzeit und Eurem Geldbeutel passt. Aber jetzt wisst Ihr wenigstens, welche Optionen Ihr überhaupt habt.
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